Bewerber warteraum
Bewerber warteraum
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03 März 2016 um 10:04

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“, „Was ist Ihre grösste Schwäche?“ Die Standardfragen sagt ein Recruiter im Schlaf auf – ebenso wie der geübte Bewerber Antworten à la „Meine grösste Schwäche ist, dass ich zu ehrgeizig bin“ runterrattert. Das geht doch auch interessanter!

Das Online-Wirtschaftsmagazin Quartz hat mit erfolgreichen CEOs über ihre Interview-Strategien und Lieblingsfragen gesprochen. Ihre Herangehensweisen variieren, haben aber alle zum Ziel, sich einen Eindruck zu Einstellung, Denkweise und Persönlichkeit der Kandidaten zu verschaffen. Hier sechs Fragen, die eine angenehme Abwechslung von den immer wiederkehrenden Standardfragen versprechen.

„Werden Sie von Mitarbeitern lieber gefürchtet oder respektiert?“

Michael Gregoire, CEO von CA Technologies, zielt mit seiner Lieblingsfrage darauf ab, Bewerber zu überraschen und sie zu einer Antwort zu bringen, die sie nicht vorbereitet haben – und die zudem einiges über den Führungsstil der Person preisgibt. Zwar gibt es hier kein „richtig“ oder „falsch“, doch je nach Position, auf die sich der Kandidat bewirbt, hat die Antwort grossen Einfluss darauf, ob er als geeignet eingestuft wird oder nicht. Die meisten Unternehmen werden Wert auf eine funktionierende Zusammenarbeit legen und die Variante „Respekt“ bevorzugen. Sollte allerdings Chaos im Team herrschen, könnte auch eine autoritärere Führungspersönlichkeit ihre Vorteile mit sich bringen.

„Warum sind Sie heute hier?“

Diese Frage ist sehr allgemein und kann Kandidaten allein aus diesem Grund schon ganz schön fordern. Gordon Wilson, CEO von Travelport, erwartet allerdings eine spezifische Antwort darauf – anhand der er die Hauptmotivation des Kandidaten erkennen kann. Legt er den Fokus auf die Vorteile, die der Job ihm bringt, seine Möglichkeiten zu lernen, sich weiterzuentwickeln und seine Karriere voranzutreiben? Oder sprudelt er vor Ideen, die er umsetzen will und die das Unternehmen weiterbringen? Hier sollte man im Idealfall eine Mischung aus beiden Antwortmöglichkeiten zu hören bekommen. Ganz ohne persönliche Ambitionen soll schliesslich niemand sein. Je nachdem, wie viel Wert auf Teamgeist und ein langfristiges Arbeitsverhältnis gelegt wird, sollte das Interesse für das Unternehmen natürlich überwiegen.

„Was ist Ihr grösster Lebenstraum?“

Zhang Xin, Mitgründerin und CEO von SOHO China, interessiert sich für die Ambitionen ihrer Kandidaten. Für sie persönlich können diese nicht zu gross sein – schliesslich hat sie selbst bei Null angefangen und sich ihren riesigen Erfolg hart erkämpft. Wer diese Frage stellt, muss sich vorher natürlich überlegen, wie er mögliche Antworten einordnet: Sucht man Leute, die möglichst hoch hinaus wollen und sich keine Grenzen setzen? Oder ist für die betreffende Stelle ein moderat ambitionierter Mensch mit „realistischen Zielen“ passender?

„Wie hat er/sie sich benommen?“

Diese Frage stellt Rick Going, CEO von Tupperware, nicht seinen Kandidaten, sondern den Menschen, die ihm vor dem Vorstellungsgespräch begegnet sind. Er spricht mit dem Taxifahrer, die den Bewerber zum Unternehmen gefahren hat, mit seinem Assistenten, mit dem Rezeptionisten, der ihn empfangen hat, etc. So erschreckend diese Methode für Bewerber sein mag, so viel lässt sich mit ihr über die Umgangsformen und die emotionale Intelligenz einer Person herausfinden. Authentizität im Interview wird zwar immer gepredigt – aber an einen 100% unverstellten Auftritt zu glauben, wäre doch ziemlich naiv. Es ist also durchaus sinnvoll, sich auch anzuschauen, wie sich jemand jenseits der Interview-Situation verhält – ohne vorbereitete Antworten und Erwartungen, die man zu erfüllen versucht. Going legt besonders bei angehenden Führungskräften hohen Wert auf Sozialkompetenz. Die Informationen, die er von Dritten über das Verhalten in Alltagssituationen erhält, sind für ihn deshalb ebenso wichtig wie jene, die er selbst während des Interviews sammelt.

„Welche Grundstücke wollen Sie beim Monopoly-Spiel am liebsten besitzen und weshalb?“

Diese ungewöhnliche Frage stammt aus dem Repertoire von Ken Moelis, dem Gründer und CEO von Moelis & Co. Mit ihrer Hilfe kann er abschätzen, ob ein Kandidat eher auf Sicherheit setzt oder für die Aussicht auf hohe Erträge bereit ist, Risiken einzugehen. Diese Frage bietet sich an, um ein Interview aufzufrischen und gleichzeitig etwas über die strategische Denkweise und Risikobereitschaft einer Person zu erfahren. Natürlich ist Monopoly nur ein Spiel – aber wer es kennt, weiss auch, dass sich oftmals durchaus Parallelen zwischen der Spielweise und den Charaktereigenschaften der Spieler erkennen lassen.

„Erzählen Sie mir von einem Fehler, den Sie begangen haben“

Diese Lieblingsfrage von Roger Crandall, CEO von MassMutual, ist sehr persönlich – aber ebenso aufschlussreich, was die Lernfähigkeit einer Person betrifft. Ein Kandidat, der offen und ehrlich über eine spezifische Situation sprechen kann, in welcher er einen Fehler begangen hat, wirkt authentisch und interessant – vorausgesetzt er erklärt auch, inwiefern ihn dieser Fehlschlag weitergebracht hat und er an ihm gewachsen ist. Jeder Arbeitgeber wünscht sich Mitarbeiter, die nicht die Nerven verlieren, wenn etwas nicht so läuft wie es gerade sollte – und über genügend Selbstreflektion verfügen, um sich ihre eigenen Fehler eingestehen zu können. Natürlich gilt es für dich als professionellen Recruiter immer abzuschätzen, welche dieser Fragen und Strategien in jeweiligen Bewerbungsprozess und für die zu besetzende Position angemessen und relevant sind. In jedem Fall sind unkonventionelle Fragen gut geeignet, um ein Vorstellungsgespräch aufzulockern und den Kandidaten wirklich authentische Antworten und einen Einblick in seine Persönlichkeit zu entlocken.

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