Girl running away
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09 März 2016 um 11:26

Als (unerfahrener) Bewerber kann man ganz schön viel falsch machen: Katastrophale Anschreiben, falsche Outfits und fehlende Vorbereitung im Interview haben schon so manch graues Recruiter-Haar verursacht. Aber wie sieht es auf der anderen Seite aus? Mit welchen Patzern oder Verhaltensweisen macht man Bewerbern das Leben schwer?

Seien wir ehrlich: Auch Recruiter sind nur Menschen; und als solche eben manchmal gestresst, verplant oder einfach schlecht gelaunt. Auch wenn es verlockend sein kann, seine Position als Legitimation für semi-professionelles Verhalten heranzuziehen, sollte man doch immer einige grundlegende Dinge beachten, um Kandidaten nicht unabsichtlich zu vergraulen. Also aufgepasst: Hier kommen typische Patzer, mit der man interessierte Bewerber in die Flucht schlägt.

1. Keine Eingangsbestätigung verschicken

Bewerber geben sich (meistens) ziemlich viel Mühe beim Zusammenstellen ihrer Unterlagen. Sobald alles zig Mal kontrolliert und an Ausdruck und Wortwahl gefeilt wurde, wird die Bewerbung dann endlich rausgeschickt. Auf das Gefühl der Erleichterung folgt das gespannt-ängstliche Warten auf Rückmeldung. Nur: Allzu oft kommt nichts. Und zwei Tage später immer noch nicht. Eine (automatisierte) Eingangsbestätigung ist wirklich kein grosser Aufwand. Also, liebe Recruiter, schenkt den Kandidaten zumindest diese kleine Sicherheit, indem ihr sie wissen lasst, dass ihre Unterlagen ordnungsgemäss angekommen sind.

2. Sitting, waiting, wishing

Warten und Unsicherheit können schnell Stress, Unzufriedenheit und Ärger auslösen. Wenn zu viel Zeit verstreicht, bis der Bewerber eine Einladung oder ein Feedback zum Vorstellungsgespräch bekommt, kostet das nicht nur ein paar Nerven. Man kann Bewerber so auch verlieren. Schliesslich schicken die meisten Kandidaten nicht nur eine Bewerbung raus, sondern haben mehrere Eisen im Feuer. Je komplizierter und langwieriger ein Unternehmen also seinen Bewerbungsprozess gestaltet, desto höher ist die Gefahr, dass vielversprechende Kandidaten, die man eigentlich gerne eingestellt hätte, in der Zwischenzeit abspringen – und auf der nächsten Konferenz die Konkurrenz vertreten. Für das perfekte Auswahlverfahren gilt: So lang wie nötig, aber so kurz wie möglich!

3. Unprofessionelles Verhalten

Klar, jeder hat mal einen schlechten Tag. Aber wer das im Bewerbungsgespräch raushängen lässt, schneidet sich nur ins eigene Fleisch – nicht nur, weil der Kandidat danach wahrscheinlich nicht mehr viel Lust auf das Unternehmen hat, sondern weil inzwischen auch alles und jeder online bewertet wird. Und auch die Vorbereitung auf ein Interview gehört nicht nur auf die To Do-Liste des Bewerbers. Viel Arbeit und Zeitdruck hin oder her: Wenn man als Recruiter ständig nachfragt und im schlimmsten Fall nicht mal mehr weiss, wie der Bewerber heisst und ob er sich nun auf das Praktikum oder die Trainee-Stelle beworben hat, taucht man das Unternehmen damit nicht gerade ins Licht der Souveränität. Vielmehr ist es verständlich, wenn ein Kandidat durch einen solchen Auftritt das Interesse verliert – schliesslich möchte man respektiert und nicht als „Nr. 26“ behandelt werden.

4. Bewerber grundlos stressen

Gleich die erste Frage soll dem Bewerber den Schweiss auf die Stirn treiben? Weil es Stressfragen Bewerbungsprozess ja schliesslich nicht ohne Grund gibt und man ja nur wenig Zeit hat, um das wahre Gesicht der Person zu lüften? Wenn das mal nicht schief geht. Denn auch wenn manch einer es glauben möchte: Eine Überdosis Adrenalin ist keine Garantie für authentisches Verhalten. Besser: Den Bewerber erstmal ankommen lassen und eine möglichst entspannte Atmosphäre schaffen – soweit das in der Situation des Bewerbungsgespräches möglich ist. Also wähl zum Einstieg lieber eine Frage, bei der der Kandidat zum Warmwerden ein wenig erzählen kann. Ein bisschen piesacken kann man ihn im späteren Verlauf immer noch; wenn es denn sein muss.

5. Überhebliches Auftreten

Besonders jungen Kandidaten, die möglicherweise auf der Suche nach ihren ersten Job sind, ist in aller Regel bewusst, dass sie noch einiges zu lernen haben. Einen Bewerber spüren zu lassen, dass man ihm Lichtjahre überlegen ist und ja weiss, wie der Hase im Berufsleben läuft, ist nicht nur unnötig, sondern schafft auch eine negative Atmosphäre, die das ganze Gespräch zerstören kann. Also lieber ein bisschen Milde walten lassen und die richtigen Fragen stellen, um das Entwicklungspotenzial des Bewerbers möglichst gut einschätzen zu können – und sich vielleicht mal an den eigenen Berufsstart erinnern. Es ist schliesslich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

6. Versprechen brechen

Geschafft! Die Entscheidung ist gefallen und der Favorit hat zugesagt. Wie soll man jetzt noch alles kaputtmachen? Zum Beispiel, indem man die Bedingungen nachträglich verändert. Der Bewerber freut sich schon darauf, im Marketing durchzustarten – und soll jetzt plötzlich doch lieber im Vertrieb aushelfen und mit Kunden telefonieren? Und die Vereinbarungen bezüglich Arbeitszeiten und Lohn kann man ja nochmal minimal nach oben beziehungsweise unten korrigieren. Kann man. So kann es aber auch gut passieren, dass der Bewerber auf den letzten Metern noch abspringt.

Der Bewerbungsprozess ist für beide Seiten eine anstrengende und ressourcenintensive Angelegenheit. Und so passieren auch Fehler nicht ausschliesslich auf Bewerberseite. Mit gegenseitigem Respekt und Entgegenkommen sowie einer ausreichenden Portion Sorgfalt sollte es jedoch nicht allzu schwer sein, den Prozess für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Und je mehr Mühe man sich als Recruiter gibt, desto eher kann man am Ende aus Top-Kandidaten auswählen!

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