Schwangerschaft karriere
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Karriere und Mutterschaft: Die Quadratur des Kreises?

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16 März 2016 um 10:58

Wieso schneidet Europa im weltweiten Vergleich beim Frauenanteil in Führungsriegen so schlecht ab, wo es doch in so vielen anderen Bereichen als fortschrittlich gilt? Allen Gleichstellungsprogrammen zum Trotz sind die Aufstiegschancen für Frauen im Allgemeinen und Mütter im Besonderen in europäischen Chefetagen nicht viel grösser als vor 10 Jahren.

Dass Gleichstellungsmassnahmen, Frauenquoten und Förderungsprogramme bislang noch nicht den Weg vom Papier in die Praxis gefunden haben, zeigt ein Blick in die Realität von Geschäftsfrauen, die „nebenbei“ auch noch die Mutterrolle innehaben.

„Wie schaffst du all das nur?“

Die Frage aller Fragen – und zugleich ein Symptom der Problematik. Auf den ersten Blick erscheint sie wie ein bewunderndes Kompliment, aber tatsächlich versinnbildlicht sie doch die kollektive Annahme, dass Mutterschaft und Karriere nahezu unvereinbar sind. Und diese Betrachtungsweise allein ist schon eine Herausforderung, die Spuren hinterlässt.

Dem nach wie vor weitgehend verankerten Klischee entsprechend sind Frauen, die sich auf ihre Karriere fokussieren, erstens Single (da sie ja quasi mit ihrem Job verheiratet sind) und zweitens bissige Biester, die kein Problem damit haben, ihre Ellenbogen auszufahren. Als engagierte Mutter hingegen ist man in der breiten Wahrnehmung die nette, aber durchsetzungsschwache Managerin, die von ihren männlichen Kollegen wenig ernst genommen wird – sie geht ja eher so nebenher arbeiten und ist daher mit Hilfsaufgaben ohnehin besser bedient.

Die Bilder der taffen Business-Frau und der liebenden Mutter lassen sich also offensichtlich immer noch sehr schlecht vereinen. Schon schwangere Frauen in Führungspositionen machen oft die Erfahrung, dass Chefs und Kollegen ihnen einen Wiedereinstieg nicht zutrauen oder wegen ihres Babybauchs plötzlich an ihren Fähigkeiten zweifeln. Bis sich diese Stereotypen lösen, ist noch viel Arbeit zu leisten.

Ambitioniert, aber alleine

Umfragen zeigen, dass 43% der Frauen in den ersten Berufsjahren das Top-Management als Karriereziel vor Augen haben. Bei den Männern streben lediglich 34% dieses Ziel an. Mit der Zeit sinkt dieses Bestreben bei den Frauen jedoch um mehr als 60% – der Mangel an weiblichen Vorbildern in ihrer Wunschposition entmutigt und schreckt ab. Und es ist ja auch eine unbestrittene Herkules-Aufgabe, Familie, Karriere und Haushalt unter einen Hut zu bringen. Die Angst, daran zu scheitern und deshalb vielleicht gar nicht erst den Versuch zu wagen, ist nur allzu leicht nachzuvollziehen.

Allerdings sprechen auch genug Zahlen dafür, dass Frauen gern gesehene Führungskräfte im Top Management sind: Laut Schätzungen des Global Gender Gap Reports des World Economics Forum ist die Eigenkapitalrentabilität um 47% höher, wenn Frauen in der Geschäftsleitung sitzen. Im selben Report wird aber keine massgebliche Veränderung der Geschlechterkluft in Führungspositionen in den kommenden 80(!) Jahren prognostiziert.

Alternative Lösungen sind gefordert

Mal wieder also ist die Theorie klar, die Praxis davon aber Lichtjahre entfernt. Wie könnten funktionierende Modelle aussehen? Von Home Office über Co-Working-Spaces und flexible Arbeitszeiten hat sich in der Arbeitswelt in den letzten Jahren einiges getan. Doch bei der Förderung von Frauen und der Vereinbarkeit von Kind und Karriere sind viele Unternehmen noch ganz am Anfang – und das, obwohl Frauen auf allen Hierarchie-Ebenen dank ihren typischen Stärken wie emotionaler Intelligenz, Diplomatie und Teamfähigkeit gern gesehene Arbeitskräfte sind.

Anstatt an Vorurteilen und Skepsis festzuhalten (so menschlich das auch ist), ist es an der Zeit für einen offenen und ehrlichen Dialog zur Lösungsfindung. Welche Umstände, Freiheiten und Möglichkeiten braucht eine werdende bzw. junge Mutter, die auch weiterhin ihre beruflichen Ziele verfolgen möchte? Wie kann man sie als Arbeitgeber dabei unterstützen? Wie sehen die langfristigen Ziele für beide Parteien aus? Wo ist man sich einig? Wo müssen gegebenenfalls Kompromisse gefunden werden?

Zum Glück gibt es schon einige (wenn auch noch nicht viele) Beispiele, wie Frauen ihre Doppelrolle als Business- und Familien-Managerin erfolgreich meistern. Mit Respekt, Wertschätzung und einer gewissen Flexibilität auf beiden Seiten können diese noch sehr viel zahlreicher werden. Arbeiten wir daran!

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