Recruiting undercover
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„Sei doch mal ehrlich!“ – Recruiting Undercover

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22 März 2016 um 12:53

Das Vorstellungsgespräch ist die Gelegenheit, sich das entscheidende Bild von der Persönlichkeit und Eignung eines Kandidaten zu machen. Der Haken an der Sache: Man kann sich nie sicher sein, was hier wirklich authentisch und was (zumindest zum Teil) vorbereitet ist.

Man kann mit den Fragen variieren, sein Auge für Mimik und Körpersprache trainieren – und man hat trotzdem nie Gewissheit, ob das Gegenüber wirklich so souverän mit den Problemsituationen im Praktikum umgegangen ist und sich wirklich so sehr für das eigene Unternehmen begeistert, wie es behauptet. Wäre es nicht praktisch, wenn man mal ausserhalb der Interview-Situation Mäuschen spielen könnte? Aber wie? Den Bewerber in Trenchcoat und Sonnenbrille stalken und darauf warten, dass er etwas über seine Motivation und Arbeitseinstellung erzählt? Eher nicht.

Unternehmensrundgang: Gib die Führung ab

So weit muss man sich auch gar nicht vom bekannten Umfeld entfernen. Man kann zum Beispiel bei einer Umgestaltung der Unternehmensrundgänge ansetzen, die oft im Rahmen von Vorstellungsgesprächen gemacht werden – und so einiges über die Motivation und Interessen eines Kandidaten erfahren, das er im Zwiegespräch von sich aus vielleicht nicht preisgegeben hätte. Und zwar ganz einfach, indem du die Führung nicht selbst übernimmst, sondern sie an einen vertrauenswürdigen Kollegen abgibst. Dieser kann zwar gern der Führungsetage entstammen – dann sollte der Bewerber davon aber besser nichts mitbekommen. Stell ihm deinen Kollegen etwa als „Martin aus dem Marketing“ vor, und kommunizier auch ihm im Vorfeld, dass er dem Kandidaten allenfalls eine vage Beschreibung seiner Position liefern soll. Einer (weiteren) Führungskraft gegenüber wird sich kaum jemand öffnen. Fühlt sich ein Kandidat hingegen auf einem Level mit dem Mitarbeiter, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Zum einen kannst du so eine zweite Meinung zu Eindruck und Auftreten eines Bewerbers einholen, zum anderen kann der Kollege mit den richtigen (und richtig gestellten) Fragen heraushören, wie der Kandidat wirklich zum Unternehmen steht.

Und das funktioniert?

Garantieren kann man superexklusive Insights natürlich nie. Doch wenn der Kandidat beim Rundgang das Gefühl hat, dass er sich dem Mitarbeiter gegenüber ganz natürlich verhalten kann und es sich nicht um eine Art „zweites Interview“ handelt, stellt er während der Tour womöglich Fragen, die er sonst nie gestellt hätte oder gibt weitere Details über sich und seine Erfahrungen und Erwartungen preis. Besonders Kandidaten, die sich um eine Führungsposition bewerben, legen im „offiziellen“ Interview oft eine tolle Performance hin – ändern aber ihr Verhalten teils massiv, sobald sie denken, dass ihr Gegenüber im Unternehmen „wenig zu sagen“ hat. Bereits die Verhaltensweisen, die jemand während des Rundgangs an den Tag legt, lassen ein vollständigeres Bild seiner wirklichen Motivation und Einstellung entstehen.

Fühlt sich nicht ganz sauber an? Ja, man könnte behaupten, dass man Kandidaten auf diese Art hinters Licht führt. Andererseits kann das „Undercover-Interview“ manchen Bewerbern auch zugutekommen: Für Personen, die im Vorstellungsgespräch sehr nervös waren und dem Personaler nicht den besten Eindruck vermitteln konnten, ist es eine zweite Chance, sich von ihrer „echten“ Seite zu zeigen und ihre Stärken und Ambitionen in einer entspannteren Atmosphäre darzulegen. Und wenn ein Kandidat seinen ersten, positiven Eindruck zunichte macht: Schade, aber auf jeden Fall besser so, als wenn sich sein wahres Gesicht erst gezeigt hätte, wenn er bereits zur Belegschaft gehört.

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