Clever recruiting
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26 Apr 2016 um 16:22

Recruiting, wie wir es kannten, ist tot. Zumindest laut Philip Newman, der einen Nachruf auf die Recruiting-Branche verfasst hat, die friedlich im Schlaf gestorben sei.

Auch ihre Nachfahren verabschieden sich, darunter digitales Marketing, Social Media und Employer Branding. Auch wenn Newman keinen genauen Todeszeitpunkt nennen kann, steht für ihn fest: Das klassische Recruiting hat das Zeitliche gesegnet.

Mit der Kommunikation verändert sich alles

Wie kommt er darauf? Ein Sargnagel sei die Kommunikation, die sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat: Angefangen beim Festnetz-Telefon sind wir inzwischen beim Instant Messaging angekommen – selbst die vor noch nicht allzu langer Zeit revolutionäre E-Mail wird schon wieder von anderen, kürzeren Kommunikationswegen (SMS, Messenger, Chats) ersetzt. Und sogar das geschriebene Wort weicht immer öfter dem

Ausdruck durch Emojis.

Klar, dass die Entwicklung damit noch lange nicht am Ende ist. So entwirft Newman zum Beispiel das Szenario, dass Bewerbungsgespräche künftig in die Virtuelle Realität verlegt werden könnten: Anstatt eines face-to-face Vorstellungsgesprächs vor Ort könne man eine VR-Brille zugeschickt bekommen und damit unter anderem eine virtuelle Tour durch die Büroräume machen. Ob es wirklich so weit kommt? Das scheint zum aktuellen Zeitpunkt zwar sehr futuristisch – schliesslich kann man immer noch am besten beurteilen, ob jemand ins Team passen würde (oder man selbst zum Team), wenn man ihn persönlich kennenlernt. Andererseits hat man vor einigen Jahren das Gleiche auch noch über Skype-Interviews gedacht.

Für Newman steht auf jeden Fall schon jetzt fest: Das traditionelle Recruiting ist durch die starken technischen und kulturellen Veränderungen, besonders in den Bereichen Kommunikation, digitaler Konsum und neue Medien, bereits am Ende. Content, Conversation und Conversion seien die neuen Bausteine der Recruiting-DNA. Denn Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, neue Talente mittels dieser Techniken anzulocken und gleichzeitig auf allen Kanälen an das Unternehmen zu binden. Die HR-Abteilungen selbst treten also zunehmend in den Hintergrund – stattdessen müssen Content-, Marketing- und Social Media-Profis das Recruiting und vor allem das Employer Branding übernehmen. Eine realistische Einschätzung der Situation? Konkrete Zahlen zur Unterstützung oder Widerlegung dieser These gibt es unseres Wissens nach (noch) nicht; aber es klingt durchaus einleuchtend, dass Kunden und Konsumenten durch neue Medien und moderne Marketingtechniken bereits so an Unternehmen und Marken gebunden werden, dass man sie gar nicht mehr (oder zumindest nicht in erster Linie) gezielt durch Stelleninserate etc. anwerben und überzeugen muss: Je attraktiver das Unternehmen, desto länger ist die Schlange an guten Kandidaten, die sich von sich aus hier bewerben.

Aber: Natürlich ist nicht jeder Facebook oder Google – und wird es in absehbarer Zeit auch kaum werden. Dementsprechend klingt die Vorstellung, dass alle Unternehmen auf diese neuen Strategien umstellen, zwar nicht vollkommen abwegig – aber bis alles, was bisher galt, obsolet geworden ist, ziehen wahrscheinlich doch noch ein paar Tage ins Land.

Recruiter, die nächsten Dinosaurier?

Angesichts der radikalen Veränderungen, die Philip Newman da prognostiziert, stellt sich unweigerlich die Frage: Wenn Recruiting (aus)stirbt, sollen dann auch Recruiter bald der Vergangenheit angehören? Das wäre doch zu sehr schwarz gemalt – denn selbst wenn sich weite Teile des Recruitingprozesses verlagern, muss doch nach wie vor jemand die Auswahl treffen, Kandidaten einstellen und sich um das Personalmanagement innerhalb des Unternehmens kümmern. Und so merkt auch Newman am Ende seines Artikels an, dass Recruiter auch diese Veränderung überleben und sich an die neuen Entwicklungen und technologischen Trends anpassen werden (müssen).

Wir meinen: Es gibt keinen Grund, hier eine Apokalypse heraufzubeschwören. Veränderungen sind nun mal Teil des Lebens – das war übrigens schon immer so. Das Tempo hat in Zeiten des Internets sicherlich zugelegt; da ist es nur eine logische Konsequenz, dass sich auch im Personalbereich schneller neue Prozesse und Herangehensweisen entwickeln. Websites und Bewerbungsplattformen wollen mobil optimiert, die Social Media-Kanäle auf ständig neue Arten zu neuen Zwecken genutzt werden und so weiter. Aber letztendlich – so glauben und hoffen wir zumindest – wird das die Wichtigkeit und Notwendigkeit des „realen“ Kontakts nicht schmälern. Schliesslich steht das H in HR nach wie vor für Human.

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