R ckansicht von sitzendem mann im anzug mit telefon in der hand   telefoninterview
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Max by
15 Juli 2015 um 09:57

Das Telefon klingelt. Unbekannte Nummer. Du gehst ran – und steckst auf einmal mitten in einem Bewerbungsgespräch. Gut ist, dass man dir die Panik wenigstens nicht ansehen kann. Schlecht, dass ein geübter Recruiter sie hört. Was eine solche Überrumplungs-Aktion überhaupt soll – und wie du ein Meister des Telefoninterviews wirst.

So gefürchtet das Telefoninterview ist, so sehr gehört es – vor allem bei grossen Unternehmen – zum Standard beim Bewerbungsprozess. Meist ist es eine zusätzliche Station im Auswahlverfahren, die zwischen der Bewerbung und dem persönlichen Vorstellungsgespräch liegt. Einleuchtend, wenn man bedenkt, wie viele Bewerbungen teilweise bei Firmen eingehen: Selbst nach dem ersten Aussortieren aller unpassenden Einsendungen ist der „Interessant“-Stapel oft immer noch riesig – alle Kandidaten gleich einzuladen, würde extrem viel Zeit und Aufwand mit sich bringen. Also wird das Telefoninterview dazwischengeschoben – das für dich natürlich nicht das Aus bedeuten soll.

Eine (halbe) Runde weiter

Selbst wenn der Anruf unerwartet kommt und dich kalt erwischt: Er ist ein gutes Zeichen, denn offensichtlich hat deine Bewerbung überzeugt. Zumindest so sehr, dass man sich einen genaueren Eindruck von dir verschaffen will. Ist die Person hinter dem Lebenslauf spontan, sympathisch, unsicher, selbstbewusst, nervös, humorvoll? Kann sie sich ausdrücken? Ist sie mit der Situation überfordert oder kann sie gut damit umgehen? Dein Job: Dafür sorgen, dass der Anrufer diese Fragen in deinem Sinne beantwortet und dich zum Bewerbungsgespräch einlädt. Na wenn’s weiter nichts ist..

Bewerbungsgespräch? Stresstest? Was das Telefoninterview überhaupt soll

Du wirst aus heiterem Himmel angerufen, dir werden Fragen gestellt, du antwortest irgendwas, woran du dich ein paar Minuten später nicht mal mehr richtig erinnerst, irgendwann ist das Telefonat vorbei, du legst auf und denkst „Was war das denn gerade?!“ Ein bekanntes Szenario? Nicht nur für dich. Obwohl jeder weiss, dass es nichts Ungewöhnliches ist, sind viele doch immer wieder überrumpelt, wenn es zum Telefoninterview kommt. Und das ist durchaus gewünscht.

So nutzen viele Personaler einen spontanen Anruf, um in Erfahrung zu bringen, wie ein Bewerber auf die Situation reagiert. Nach einigen Tagen Vorlauf perfekt vorbereitet zum Vorstellungsgespräch erscheinen kann ja schliesslich jeder.

Du merkst, worauf es hinausläuft: Fang mit der Vorbereitung nicht erst nach der Einladung an, sondern sobald du deine Bewerbung abgeschickt hast. Ein kleiner Spickzettel mit einigen Eckdaten zum Unternehmen schadet auch nichts und gibt dir Sicherheit, wenn dein Telefon klingelt. Im Grunde genommen gilt das Gleiche wie für das Vorstellungsgespräch: Auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Nur eben schon ein bisschen früher.

Unsichtbar sein: Fluch oder Segen?

Die Bequemlichkeiten des Telefoninterviews liegen auf der Hand: Keine stressige Anfahrt, kein Zusammensuchen des richtigen Outfits, keine Angst vor schwitzigen Händen oder zittrigen Fingern. Stattdessen Jogginghose, Couch und so viel mit den Füssen wippen und mit deinen Haaren spielen, wie du willst. Die schon erwähnte Option auf einen Spickzettel ist ebenso traumhaft – wer die nicht nutzt, ist selber schuld.

Wiege dich aber nicht zu sehr in Sicherheit: Nur weil deine Schweissausbrüche am anderen Ende der Leitung nicht sichtbar sind, kannst du trotzdem nervös rüberkommen – der Interviewer macht das hier nicht zum ersten Mal und sieht wahrscheinlich ziemlich gut mit den Ohren. Lauf also lieber nicht ständig hin und her, sondern versuch dich zu entspannen und ruhig zu werden. Konzentrier dich lieber auf deine Tonlage und dein Sprechtempo – die verraten am meisten über dich.

Auch beim Telefoninterview zuhause solltest du dich ordentlich anziehen und aufrecht sitzen

Menschen, die typischerweise mit ihrem Auftreten, Erscheinungsbild und Körpersprache überzeugen, büssen beim Telefoninterview hingegen viele Vorteile ein. Besonders, wenn sie nicht ganz so kommunikationsstark sind und dieses Manko normalerweise durch ihre einnehmende Persönlichkeit wettmachen, ist das Telefonat für sie eine grosse Herausforderung. Denn hier hat die rein sprachliche Kommunikation noch mehr Bedeutung als ohnehin schon.

Also: Lieber ein paar Sekunden überlegen als drauf los plappern. Sowohl deine Wortwahl als auch deine Sprechweise liegen hier auf der Goldwaage!

Telefoninterview To Dos

  • Auch wenn Du während der Bewerbungsphase jederzeit mit einem Anruf rechnen musst, kann es immer sein, dass der Personaler einen ganz besonders ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Im Zweifelsfall ist es besser, höflich um einen Rückruf zu einem späteren Zeitpunkt zu bitten. Oder du gehst bei unbekannter Nummer einfach nicht ran, wenn du grade beim Arzt, in der Achterbahn oder im Club bist und lässt den Anrufer auf die Mailbox sprechen.

  • Solltest du einen Termin für ein Telefoninterview bekommen, zieh dich ordentlich an! Du musst dich natürlich nicht im Anzug an den Küchentisch setzen, aber in der Jogginghose auf der Couch liegen ist auch keine gute Idee. Achte auf saubere, ordentliche Kleidung und eine aufrechte Position – es hat mehr Einfluss auf den Eindruck, den du übers Telefon hinterlässt, als du vielleicht denkst!

  • Selbstverständlich stellst du während des Telefonats Musik und Fernseher aus. Im Fall von Verkehrs- oder Baustellenlärm, mach am besten auch die Fenster zu.

  • Wenn du zu den Menschen gehörst, die sich gerne mit „Polizeihauptwache xy“, „Tierfriedhof Hasenhausen“ oder anderen „lustigen“ Einfällen melden: Bitte greif während der Bewerbungsphase wieder auf deinen vollen Namen zurück.

  • Auf eventuelle Sprachticks solltest du am Telefon noch mehr achten als im persönlichen Gespräch. Häufige Füllwörter fallen hier, äähm, noch mehr auf. Lass deinen Gesprächspartner immer ausreden und lass auch kurze Pausen zu. Du erinnerst dich: Lieber zwei Sekunden zu viel als zu wenig nachdenken!

  • Kein Händedruck, kein Blickkontakt: Viele Möglichkeiten bleiben dir nicht, um einen persönlichen Kontakt zu deinem Gegenüber aufzubauen. Sprich sie oder ihn daher unbedingt mit Namen an (natürlich nicht in jedem Satz). Ganz wichtig ist die persönliche Verabschiedung am Ende des Gesprächs, etwa “Ich bedanke mich für das angenehme Gespräch und wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag, Frau xy”.

Im Prinzip ist das Telefoninterview also eine Art „kleines Vorstellungsgespräch“. Geh dementsprechend damit um: Intensive Vorbereitung, angemessene Kleidung und Haltung, gute Umgangsformen. Dann klingelt beim nächsten Mal vielleicht die Einladung zum persönlichen Gespräch.

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