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„Das CV ist des Pudels Kern“ - Rolf Walser, NEXUS AG

Max by
31 Juli 2015 um 10:37

Die NEXUS Personal- und Unternehmensberatung AG vermittelt seit vielen Jahren IT-Fachpersonal. Wir haben mit Geschäftsführer Rolf Walser über Tricks und Tücken im Bewerbungsprozess gesprochen.

Rolf Walser ist Geschäftsführer bei der Personal- und Unternehmensberatung NEXUS

Herr Walser, wie sieht ein typischer Recruiting-Prozess bei NEXUS aus?

Die ersten Adressen für Bewerber sind nach wie vor die üblichen Online Job-Plattformen, deshalb gilt es primär, die Studenten und Absolventen hier anzusprechen. Dann kann man sich entweder auf eine konkrete Stelle bewerben, worauf dann ein Gespräch geführt wird, oder aber eine generelle Karriereberatung in Anspruch nehmen. So oder so beginnt der typische Bewerbungsprozess immer mit einem persönlichen Gespräch. Von Telefoninterviews halten wir nicht viel. Wir möchten die Bewerberinnen und Bewerber richtig kennenlernen.

Gibt es Tests oder Assessment Center, oder wird hier einfach auf das CV vertraut?

Es geht eigentlich mit dem CV in den Prozess, also ins Gespräch. Wichtig ist natürlich, dass die relevanten Angaben zu fachlichen Skills etc. einwandfrei und sofort ersichtlich sind. Im persönlichen Gespräch geht es dann wirklich darum, die Person kennenzulernen; wie sie interagiert, kommuniziert, wie sie Probleme löst. Wir haben im Gespräch schon ein, zwei Fragen, in denen es um Problemlösungs-Prinzipien geht, aber strukturierte Tests gibt es nicht.

Gibt es ein Mindestmass an Vorerfahrung, das man mitbringen muss?

Immer mehr Firmen sind bereit, auch mit Absolventen zu arbeiten, die nur wenig Erfahrung mitbringen. Mit einem Informatik-Abschluss, sei es von der FH oder von der Uni, hat man eigentlich sehr gute Chancen am Markt, was nicht zuletzt mit dem Fachkräftemangel in der Schweiz zusammenhängt. Dass gerne Absolventen ins Boot genommen werden, hat auch finanzielle Gründe: Firmen können sich die teuren Seniors nicht mehr so leisten wie früher, da stellt man natürlich gerne um auf junge, dynamische und lernbereite Absolventen.

Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass Firmen zunehmend bereit sind, auch Leute mit einem informatikfernen Studiengang zu prüfen und einzustellen, wenn es passt. Besonders sind da die naturwissenschaftlichen Fächer interessant – für Physiker und Mathematiker etwa gibt es gute Einstiegsmöglichkeiten.

Lesen Sie zuerst das Anschreiben oder das CV? Wie lange nehmen Sie sich Zeit dafür?

Die Firmen nehmen sich definitiv nicht viel Zeit für das Anschauen der Unterlagen. Ich denke, die meisten werden zuerst ins CV schauen und dann ins Anschreiben.

Letzteres sollte grundsätzlich persönlich sein; „Sehr geehrte Damen und Herren“ geht nicht. Man muss auch klar machen, warum man sich genau für diese Stelle interessiert. Das Ganze sollte nicht länger als eine halbe bis dreiviertel A4-Seite sein. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach aber das CV. Absolventen sollten hier auch in ein paar Zeilen ihre Projektarbeiten und die Masterthesis aufführen. Auf nexus.ch haben wir Musterlebensläufe zum Anschauen – das CV ist wirklich des Pudels Kern.

Wie wichtig ist der berühmte erste Eindruck im Vorstellungsgespräch wirklich? Was sind hier die häufigsten Fehler?

Ganz wichtig ist, dass man sich natürlich gibt und nicht versucht, eine Rolle zu spielen. Man braucht ein natürliches, gepflegtes Auftreten. Dazu muss man nicht gleich im Anzug daherkommen – ausser in Ausnahmefällen, etwa bei einer Bank –, aber ein gepflegtes, schickes Alltags-Outfit mit frischem Hemd macht viel aus. Darüber hinaus sollte man kommunikativ sein; nicht nur dasitzen und zuhören, sondern Fragen stellen und sich aktiv ins Gespräch einbringen. Der häufigste Fehler ist Passivität – sowohl im Gespräch als auch schon davor. Bewerber sollten über das Unternehmen Bescheid wissen: wie gross es ist, wo es sich positioniert, und auch die Stellenbeschreibung und Schreibunterlagen sollte man dabeihaben – ob man sie braucht, ist eine andere Sache, aber wenn jemand ohne Schreibzeug kommt, wirkt das doch etwas zu locker.

Wie ausschlaggebend sind Noten und wie viel Einfluss haben Soft Skills und Persönlichkeit bei der Entscheidung für einen Kandidaten?

Das ist sehr individuell. Ich finde die Noten nicht ganz so ausschlaggebend. Wenn sie in Extremen liegen, muss man schon fragen, woran es gelegen hat. Wenn aber jemand ein Studium mit minimalem Aufwand absolviert, muss das nicht unbedingt schlecht sein. Wirklich ausschlaggebend ist vielmehr, ob man gut interagiert, kommunikativ auftritt und offen antwortet. Soft Skills sind bei vielen Unternehmen wichtiger als Noten.

Wie wichtig ist Auslandserfahrung für eine erfolgreiche Bewerbung?

Da die meisten Unternehmen, die wir betreuen, KMU sind, sind Auslandsaufenthalte bei uns in der Regel nicht wesentlich. Es gibt gewisse international ausgerichtete Firmen, die es schätzen, wenn jemand sehr gut Englisch kann. Aber wir konzentrieren uns auf Schweizer Unternehmen, die in der Schweiz Dienstleistungen erbringen – da muss man in erster Linie die deutsche Sprache beherrschen, und das lässt in letzter Zeit leider ein bisschen zu wünschen übrig.

Wie wichtig sind ausseruniversitäre Aktivitäten?

Wenn ich mir das CV eines Absolventen anschaue und dort keine einzige studienbegleitende Tätigkeit sehe, sei es in Vereinen, Sommerarbeit oder Teilzeittätigkeit, dann hinterlässt das schon Fragen. Wir gehen eigentlich davon aus, dass man sich irgendwo engagiert und auch um Berufserfahrung kümmert – welcher Art auch immer. Wenn jemand studienbegleitend gearbeitet hat, wirkt das natürlich sehr positiv, weil es auf hohe Motivation hindeutet. Für mich ist es ein grosses Plus, wenn jemand Praxiserfahrung sammelt während des Studiums.

Googlen Sie Bewerber, bevor Sie sie zum Gespräch einladen? Worauf sollte man achten, z.B. bei Facebook?

Ja, wir googlen Bewerber tatsächlich – wenn auch nicht alle. Aber wenn beim Lesen des CVs Zweifel oder Fragezeichen aufkommen, schaut man schon mal in die Social Media Kanäle hinein. Wir wissen, dass Social Media Privatsphäre ist, die auch respektiert werden muss. Es gibt aber Grenzen, die man auch als Nutzer dieser Plattformen einhalten muss. Blut, Gewalt, radikale politische Statements oder auch ausfällige Fotos sind eigentlich No Gos. Man sollte Social Media einfach wie ein Erwachsener nutzen und sich dessen bewusst sein, dass Arbeitgeber diese Kanäle anschauen und sich auch ein Bild machen, worauf man den Kandidaten eben ein- oder auslädt.

Was möchten Sie Absolventen / Bewerbern noch gerne mit auf den Weg geben?

Erst mal wünsche mir natürlich viele Bewerbungen! Was ich Absolventen raten möchte: Eine aktive Rolle zu übernehmen! Es ist immer schlecht, wenn eine Bewerbung kommt und die Interaktion dann erlahmt. Wenn man sich entscheidet, in den Bewerbungsprozess einzusteigen, sollte man das auch mit einer gewissen Intensität tun. Kommunikation geht wirklich über alles. Wichtig ist zum Beispiel auch, sich nach dem Gespräch mit einer Firma ein Ziel zu setzen, etwa in 5 oder 10 Tagen noch mal zu telefonieren. Man sollte immer wissen, wie es weitergeht, bevor man Adieu sagt. Und wenn zehn Arbeitstage ins Land ziehen und keine Antwort kommt: unbedingt nachfassen! Das kann per E-Mail passieren, sympathischer ist aber per Telefon. Das ist zwar nicht immer ganz einfach, weil Personalverantwortliche oft schwer zu erreichen sind, aber: am Ball bleiben, das ist das Wichtigste!

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