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„Sextoys oder Socken – Hauptsache, der Service stimmt“ Lukas Speiser, Amorana

Max by
05 Aug 2015 um 11:32

Nach dem Studium stieg Lukas Speiser bei Goldman Sachs ein – um wenig später sein eigenes Unternehmen Amorana zu gründen. Wir haben mit ihm über Risikobereitschaft, Bewerbungen und Teamevents in einem E-Commerce für Sextoys geredet.

Lukas Speiser hat den Schritt gewagt und das Startup Amorana gegründet

Lukas, wie sah dein Berufseinstieg nach dem Studium aus?

Ich habe Finance an der Uni Zürich studiert und bin danach direkt ins Investment Banking bei Goldman Sachs eingestiegen. Das war zugleich meine erste und letzte Festanstellung.

Wie ist die Idee zur Gründung von Amorana entstanden? Du hattest ja bestimmt nicht schon in der Schule den Plan, später mal Sextoys zu verkaufen?

Ja, ich hätte nie gedacht, dass ich mal Sextoys verkaufen würde. Die Idee hatte ich zusammen mit meinem Geschäftspartner: Wir wollten ein E-Commerce Business aufbauen und haben uns zunächst dazu entschieden, einen Abo-Service zu machen. Nur das Produkt war zu Beginn noch nicht klar. Socken- und Wein-Abos gab es schon, und dann hatten wir irgendwann die Idee, das Ganze mit Sextoys zu machen. Nachdem wir mit dem Abo erste Erfolge erzielen konnten, haben wir uns entschieden, einen Online-Shop mit allen Produkten aus den Monats-Boxen zu machen. Daraus entstand dann Amorana.

Was ist die Idee hinter Amorana? Was unterscheidet euch von der Konkurrenz?

Die Idee ist, die besten Sextoys in einem schönen und auf Lifestyle ausgerichteten Shop anzubieten. Viele unserer Kunden möchten Toys ausprobieren, trauen sich aber nicht, in einen Laden zu gehen. Zusätzlich bieten wir ein sehr breites Sortiment an und liefern ab unserem Schweizer Lager innert kürzester Zeit: Der Kunde hat sein Paket bereits am nächsten Tag diskret im Briefkasten.

Viele stellen sich sicher vor, dass euer Büro wie ein Sexshop aussieht und ihr Teamevents im Stripclub macht. Wie sieht es wirklich aus?

Haha.. im Büro stehen natürlich schon gewisse Toys herum, aber sonst ist es ein ganz normales Office. An Team-Events geht es auch sehr gesittet zu. Wir machen jeden Monat ein Team-Frühstück, und vor zwei Monaten waren wir alle zusammen im Europapark.

Was ist der grösste Vorteil daran, sein eigener Chef zu sein? Gibt es Situationen, in denen du dich kurz in ein Angestelltenverhältnis zurückwünschst?

Nein, in ein Angestelltenverhältnis möchte ich nicht zurück. Ich liebe es, zu arbeiten und Verantwortung zu tragen. Zu sehen, wie etwas Eigenes wächst und gedeiht, ist enorm motivierend und auch zugleich der grösste Vorteil daran, mein eigener Chef zu sein.

Was zeichnet euer Team aus? Was für Charaktere arbeiten bei Amorana?

Wir sind jung, motiviert und geben Vollgas. Niemand bei uns hatte schon Erfahrung in diesem Bereich – das erlaubt uns, das Ganze aus einer neutralen Business-Perspektive zu betrachten. Schlussendlich sind wir ein E-Commerce Business und müssen dem Kunden den bestmöglichen Service bieten. Ob wir nun Sextoys oder Socken verkaufen – das E-Commerce Geschäft ist in seiner Grundlage dasselbe.

Wie kann man sich den Prozess vorstellen, bis ein neues Produkt bei euch im Shop erscheint?

Wenn jemand eine Idee hat, schauen wir uns das Produkt an; wenn es gefällt, ist es innerhalb von einem Tag im Shop. Manchmal erhalten wir auch Kundenanfragen für Produkte, die sie an einem anderen Ort gesehen haben. Solchen Input nehmen wir sehr gerne entgegen und nehmen die Produkte dann auch in unser Sortiment auf. Zu Beginn haben wir die meisten Dinge noch selbst getestet – bei 2’500 Produkten wurde das dann aber irgendwann zu anstrengend. ☺

Wo liegen die grössten Unterschiede oder auch Herausforderungen zu anderen Online-Shops, wie z.B. solche für Kleidung?

Die Unterschiede sind gar nicht so gross. Der Shop muss gleich aufgebaut werden und das Produkt und der Service müssen einwandfrei sein. Wir haben eben noch die Herausforderung, das Thema Sex schön und hochwertig darzustellen, aber das ist uns unserer Meinung nach sehr schön gelungen.

Was würdest du deinem 18-jährigen Ich mit auf den Weg geben?

„Verkaufe nie deine Apple Aktien!“ Nein, Spass beiseite. Ich finde es ist wichtig, seine Träume zu verfolgen und Risiken einzugehen. Vor allem wenn man jung ist und noch viel Zeit hat, lohnt es sich, Risiken auf sich zu nehmen. Wenn es nicht klappt, hat man immer noch genug Zeit, ein nächstes Projekt anzugehen oder eine Festanstellung zu finden.

Wo siehst du dich und Amorana in 5 Jahren?

Wir sind bereits einer der Marktführer in der Schweiz. Diese Position werden wir weiter festigen und in Zukunft auch in verschiedenen anderen europäischen Ländern präsent sein.

Gibt es weitere Projekte oder Ideen für weitere Gründungen?

Seit September 2014 betreiben wir den Shop www.looksoflove.ch. Dort bieten wir ein grosses Sortiment an Dessous an. Auf diesen zwei Shops liegt unser voller Fokus.

Immer weniger junge Schweizer gründen eigene Unternehmen. Wo siehst du die Gründe und wie würdest du sie motivieren, aktiv zu werden?

Die Schweizer sind generell sehr risikoavers. Viele scheuen sich, ein Startup zu gründen, und suchen sich lieber einen sicheren Job. Das führt zwar zu einem relativ sicheren Einkommen, wirklich reich an Erfahrung und Geld wird man damit aber nicht. In anderen Ländern ist es ganz normal, dass auch einmal ein Business oder eine Idee floppt und eingestanzt wird. Ich glaube, man muss den Jungen aufzeigen, wie erfolgreich und erfüllend die Umsetzung einer eigenen Idee sein kann – dann kann man es ihnen schmackhaft machen.

Was würdest du dir von der Politik wünschen, damit es Gründer in Zukunft leichter haben?

Das Umfeld für Gründungen ist in der Schweiz grundsätzlich nicht schlecht. Auch gewisse Steuerprivilegien sind für Unternehmen gut umsetzbar. Ich wünsche mir aber, dass der Staat nicht zu stark in die Privatwirtschaft eingreift und Steuern niedrig hält. Davon profitieren nicht nur Startups, sondern alle.

Warum sollten sich Studenten und Absolventen bei Amorana bewerben?

Sie sollen sich bewerben, weil E-Commerce enorm jung, spannend und abwechslungsreich ist. Unsere Mitarbeiter bekommen innert kürzester Zeit Einblick in alle Aspekte eines schnell wachsenden E-Commerce Startups. Wir sind alle Allrounder und somit kann man enorm viel lernen.

Was spricht ganz allgemein dafür, nach dem Hochschulabschluss eher bei einem Startup als bei einem Grossunternehmen einzusteigen?

Nach dem Studium in ein Startup zu gehen, ist der ideale Zeitpunkt. Die meisten haben noch keine Familie und niedrige Kosten. So kann man mit relativ wenig Risiko etwas mit einem enormen Upside aufbauen. Wenn es nicht klappt, kann man später immer noch in einem Grossunternehmen arbeiten.

Führst du die Bewerbungsgespräche selbst? Worauf achtest du besonders?

Ja, beide Gründer sind im Bewerbungsprozess involviert. Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Asset und wir legen sehr viel Wert auf den Auswahlprozess. Dabei achten wir weniger auf den Werdegang und Berufserfahrung ist auch nicht zwingend. Dafür schauen wir sehr auf die Soft Skills, denn wir brauchen in erster Linie Leute, die motiviert, kreativ und verantwortungsvoll arbeiten. Ausserdem ist uns immer wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter mit unserem Produkt auch wohl fühlen. Sie sollten also nicht verklemmt sein und auch schon einmal online eingekauft haben, egal was für ein Produkt.

Was war die beste oder kreativste Bewerbung in letzter Zeit?

“…Wenn Sie also eine lernfähige, aufmerksame, humorvolle Praktikantin mit vier Sprachen brauchen, die auch noch gut Kaffee kochen kann, würde ich mich auf eine positive Antwort sehr freuen.” Hier hört man, dass diese Person hochmotiviert ist, einfach alles zu lernen: Das passt genau zu unserem Mindset.

Auf welchen Wegen findet ihr eure Mitarbeiter? Beziehungen, Social Media, „klassische“ Ausschreibungen?

Wir haben eigentlich schon alles probiert. Interessanterweise erhalten wir noch viele Bewerbungen von Personen, die direkt in unserem Shop auf die „Jobs“-Seite gehen.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, würdest du noch gern beantworten?

Die meisten wollen wissen, was unsere Top-Seller sind. Also hier sind sie: Für Frauen der Womanizer. Für Männer das Fleshlight. Für Paare der We-Vibe.

Was möchtest du heutigen Studierenden und Absolventen mit auf den Weg geben?

Macht nur einen Job, der euch Spass macht! Nur zu arbeiten, um sich gewisse Dinge leisten zu können, macht nicht glücklich.

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