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E-Mail nach dem Bewerbungsgespräch: So bitte nicht!

13.August 2015 5 Min. Lesezeit Vorstellungsgespräch | Assessment Center

Um welchen Job es auch geht, bei einem sind sich alle einig: Das Warten auf die Rückmeldung nach dem Vorstellungsgespräch gehört zu den unangenehmsten Phasen des Bewerbungsprozesses – obwohl oder gerade weil man selbst nichts mehr tun kann. Ausser vielleicht eine E-Mail zu schicken, um den Status abzufragen? Das kann eine gute Idee sein – aber auch gehörig in die Hose gehen.{intro-text}

Die Phase kurz nach dem Bewerbungsgespräch ist nichts für schwache Nerven. Bei jedem Klingeln des Telefons lässt man alles stehen und liegen und geht mit Herzklopfen und der Hoffnung ran, dass es sich um das Einstellungsangebot handelt. Tatsächlich ist es doch nur wieder deine Mutter, die mal wieder ein Problem mit ihrem Computer hat.

Aber wie geht es nach dem persönlichen Gespräch optimalerweise weiter? Ist Nachfassen okay oder aufdringlich? Erstens: Du solltest mit dem Interviewer am besten gleich nach dem Gespräch klären, wie es weitergeht. Zweitens: Nachfassen ist absolut okay – solange du dich nicht im Ton vergreifst. So solltest du es nicht machen:

1. “Sie wollten sich am Dienstag bei mir melden und jetzt ist schon Mittwoch…”

Super, du hast im Interview aufgepasst und dir brav den geplanten Rückmeldungstag notiert! Für deine Aufmerksamkeit bekommst du einen Punkt. Wenn du aber nach dem Gespräch so eine E-Mail verschickst, werden dir gleich zwei wieder abgezogen.

Warum? Wegen des vorwurfsvollen Tons. Du unterstellst dem Personaler, dass er seine Arbeit nicht ordentlich macht und zu lange braucht, um eine Entscheidung zu treffen. Ein grober Fehler, denn je mehr Druck du machst, desto unbeliebter wirst du.

Auch wenn es schwer fällt: Es ist vollkommen normal, dass Bewerbungsprozesse eine Weile dauern. Stell dich darauf ein und fixier dich nicht zu sehr auf einen vereinbarten Tag – sieh ihn eher als Orientierungspunkt. Wenn sich der Recruiter am Dienstag melden wollte, warte noch bis Freitag ab oder schreib nur eine kurze E-Mail, dass du dich auf eine Zusammenarbeit freuen würdest. Aber mach dir bloss nicht auf den letzten Metern alles kaputt, indem du ihm auf die Nerven gehst!

2. “Bitte geben Sie mir zeitnah eine Antwort, ob ich die Stelle bekommen habe oder nicht!”

Einfach eine Antwort, egal welche – wir wissen alle, dass Ungewissheit unerträglich sein kann. Aber mal ehrlich: Die Antwort ist dir nicht egal. Du willst die Zusage – oder zumindest eine Einladung für die nächste Stufe des Bewerbungsprozesses.

Ein trotziges „Mir ist egal, was Sie sagen, aber sagen Sie was!“ bringt dich leider nicht weiter. Wenn du nicht den Kürzeren ziehen willst, solltest du diesen Ton eher vermeiden – so machst du nämlich nicht nur einen aufdringlichen, sondern auch einen verzweifelten Eindruck. Keine sonderlich attraktive Kombi.

Falls das Interview mehr als eine Woche zurückliegt, ist es absolut sinnvoll, den Status deiner Bewerbung abzufragen. Bleib dabei aber höflich und neutral.

3. “Ich habe ein anderes Angebot bekommen. Haben Sie schon eine Entscheidung getroffen oder…”

Eigentlich willst du gerne genau diesen Job in genau diesem Unternehmen. Während du auf Rückmeldung wartest, bekommst du ein anderes Angebot. Das ist doch eine super Voraussetzung: Du kannst zeigen, dass du gefragt bist und hast gleichzeitig einen triftigen Grund, ein wenig Druck zu machen – oder?

Im diesem Fall solltest du erst bei der zweiten Firma um eine Fristverlängerung bitten. Wenn du deinem bevorzugten Unternehmen die Pistole auf die Brust setzt, schiesst du dir womöglich selbst ins Bein. Wenn man dort noch etwas Zeit für die Entscheidung braucht, nimmt man deine Anfrage möglicherweise als Grund, dir abzusagen: Immerhin bist du ja anderweitig untergekommen und offensichtlich bist du nicht bereit, noch länger zu warten. Nutz die Zeit aus, um deine Optionen abzuwägen und bring das andere Angebot nur an, wenn du bereit bist, das Risiko der Absage einzugehen.

4. “Warum haben Sie mich nicht angerufen?”

Du hast dir bis zu diesem Punkt wirklich Mühe gegeben — einen top Lebenslauf und Anschreiben verfasst und perfekt vorbereitet und angezogen das Vorstellungsgespräch gerockt. Jetzt hast du dir ja wohl einen Anruf verdient, oder?

Natürlich hast du das! Eine E-Mail in diesem Stil wird aber kaum zur gewünschten Antwort führen. Die Formulierung klingt, als würdest du entweder gleich anfangen zu heulen oder stündest schon mit hochgekrempelten Ärmeln und geballten Fäusten vor dem Büro des Personalers. Egal, ob du wütend, irritiert oder panisch bist: Bleib cool (oder tu zumindest so)!

5. “Schade, dass Sie sich nicht gemeldet haben…”

Vielleicht hast du es auch schon mal erlebt: Du bist mit einem super Gefühl aus dem Gespräch gekommen, hast dich mit dem Interviewer gut verstanden hast und rechnest eigentlich damit, spätestens übermorgen das Jobangebot auf dem Tisch zu haben. Doch die Tage vergehen, das Postfach bleibt leer und das Telefon stumm.

In so einer Situation werden viele sauer und wollen dem Recruiter am liebsten eine Hassmail schicken. Was soll das? Erst war alles wunderbar und dann halten Sie es nicht mal für nötig, eine kurze Absage zu schicken? Von Umgangsformen hat man bei Ihnen wohl auch noch nie gehört, was?

Jeder versteht die Notwendigkeit, Dampf ablassen zu müssen. Denk in diesem Fall aber bitte kurz nach, bevor du “Senden” klickst: Welchen Vorteil hätte diese E-Mail für dich? Genau: gar keinen. Erstens musst du damit nicht richtig liegen, wenn du das Schweigen als Absage interpretierst – doch spätestens jetzt wärst du wirklich sicher aus dem Rennen. Zweitens erarbeitest du dir so den Ruf eines unprofessionellen Kandidaten, der mit Absagen nicht zurechtkommt. Eine spätere Bewerbung bei diesem Unternehmen ist somit auch nicht mehr möglich. Und vergiss nicht, dass dieser Ruf auch in andere Firmen vordringen kann!

Mail Box Wald E-Mail

Vergiss also nicht die goldenen Regeln für jede Nachfass-Mail:

  • Bewahre einen freundlichen, höflichen Ton
  • Bestärke dein Interesse und deine Motivation
  • Verweise nochmals kurz auf deine Schlüsselkompetenzen
  • Dank dem Personaler für seine Zeit