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„Man sollte etwas machen, wofür man eine Passion hat“ – Marianne Fassbind, Wirtschaftsredaktorin beim SRF

28.August 2015 5 Min. Lesezeit Insight Stories

Ihr Arbeitstag beginnt schon beim Frühstück: Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind über ihren spannenden Berufsalltag, ihre grössten Herausforderungen und berufstätige Mütter.

Marianne Fassbind ist Wirtschaftsredaktorin beim Schweizer Fernsehen

Marianne Fassbind
Wirtschaftredaktorin
Schweizer Radio und Fernsehen
Studienabschluss: Wirtschaft

Frau Fassbind, erklären Sie uns kurz, was Sie machen; wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Ich bin Redaktorin in der Wirtschaftsredaktion des Schweizer Fernsehens. Die Hauptbeschäftigung ist die Wirtschaftsberichterstattung: Diese erfolgt entweder in Form eines etwa eineinhalbminütigen Beitrages inklusiv Grafik und Moderation, der dann in der Tagesschau kommt, oder in Form eines Kommentars über ein wirtschaftliches Ereignis in der Schweiz oder auch in der Welt.

Ein typischer Arbeitstag beginnt für mich eigentlich schon morgens beim Zeitung und E-Mail lesen, und Radio hören. Um 9 Uhr komme ich ins Büro, wo ich mich zunächst über die Agenturen darüber informiere, was passiert ist. Dann haben wir eine ganz kurze Sitzung in der Wirtschaftsgruppe, in der wir besprechen, welche Beiträge wir in der Tagesschau und im 10vor10 machen wollen.

Um viertel nach 9 folgt dann die grosse Sitzung, wo die Themen aller Ressorts besprochen werden, also Politik, Kultur, Wirtschaft und so weiter. Dort wird entschieden, was in der Tagesschau und im 10vor10 gesendet werden soll. Es gibt drei Tagesschau-Sendungen: eine um 12.45, eine um 18 Uhr und eine um 19.30. Dafür gibt es eine rollende Planung; das heisst, es kann sein, dass ein Beitrag z.B. nur am Mittag oder nur am Abend kommt. Am Nachmittag haben wir eine Sitzung, wo wir anhand der aktuellen Newslage entscheiden, ob ein Beitrag weitergezogen wird oder nicht.

Wenn wir uns für einen Beitrag entschieden haben, überlegen wir, wie genau er aussehen soll: Gebe ich einen Kommentar dazu oder nicht? Worauf wollen wir den Fokus legen? Machen wir ein Interview zum Thema? Anschliessend gehen wir mit einem Kamerateam raus und machen Aufnahmen zum entsprechenden Thema, gegebenenfalls führen wir ein Interview mit einem Protagonisten, z.B. einem CEO an einer Pressekonferenz.

Wenn wir das Material zusammenhaben, muss der Beitrag geschnitten werden – das machen wir entweder selbst oder mit einem professionellen Cutter. Eine Minute, die gesendet wird, entspricht etwa eineinhalb Stunden Cutting. Zum Bild texten wir die Geschichte und vertonen den Beitrag. Der fertige Beitrag wird schliesslich vom jeweiligen Tagesproduzenten abgenommen und erscheint dann in der Tagesschau um eins oder um halb acht. Bei Bedarf wird der Beitrag für die Hauptsendung ergänzt oder sogar geändert.

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie viele Leute arbeiten normalerweise an einem Beitrag?
Verantwortlich für einen Beitrag ist meistens nur eine Person, aber man arbeitet natürlich im Team: Da ist der Kameramann, die Grafik, der Cutter; wir haben auch ein Archiv, wo wir Bilder bestellen können, und manchmal bekommt man auch Hilfe von einem Praktikanten. Es gibt also einige Teilstellen, mit denen man zusammenarbeitet, aber für den Beitrag an und für sich ist man selbst verantwortlich.

Wann wussten Sie, dass Sie in den Bereich wollen, in dem Sie heute sind?
Das wusste ich eigentlich recht spät: Nach meinem Wirtschaftsstudium war ich fünf Jahre bei einer Bank als Analystin tätig und bin dann zunächst in den Printjournalismus, also zu einer Zeitung, gewechselt, wo ich Wirtschaftsredaktorin war. Nach zehn Jahren im Printjournalismus bin ich dann in die Tagesschau zum Fernsehen gewechselt. Aber meine Arbeit war immer wirtschaftsbezogen.

Was war die bisher grösste Herausforderung in Ihrer jetzigen Position?
Eine permanente Herausforderung ist sicher der technologische Wandel, der beim Fernsehen natürlich stattfindet, da muss man sich immer wieder neu anpassen. Auch grosse Ereignisse bringen Herausforderungen mit sich: etwa 2008, als die UBS Hilfe vom Staat beansprucht hat; die ganze Eurokrise, die Auflösung der Mindestgrenze vom Euro zum Schweizer Franken; oder auch jedes Mal, wenn wir zum Weltwirtschaftsforum nach Davos gehen.

In einer Welt, in der es Ihren Job nicht gibt: Was machen Sie?
Ich würde wahrscheinlich eher beratend tätig sein, etwa in der strategischen Beratung für ein Unternehmen: Wie soll man bestimmte Probleme anpacken? Was für Märkte könnten neu entstehen?

Was macht SRF zu einem attraktiven Arbeitgeber?
SRF ist ein begehrter Arbeitgeber, weil man eine spannende Arbeit hat, die sehr abwechslungsreich ist. Man hat mit sehr interessanten Leuten zu tun, mit denen man sich intellektuell auseinandersetzt und interessante und herausfordernde Diskussionen führt.

Alle Jobs bei SRF

Welche Studienfächer sind beim SRF besonders gefragt und für welche Bereiche werden Absolventen oder Praktikanten gesucht?
Die beliebtesten Studienrichtungen sind Wirtschaft und Geschichte. Es gibt beim SRF aber auch Leute, die kein Studium abgeschlossen haben, vor allem die älteren Mitarbeiter. Nachwuchs wird eigentlich für sämtliche Bereiche gesucht. Praktika sind meiner Meinung nach aber vor allem in den tagesaktuellen Sendungen interessant.

Was würden Sie Studenten und Absolventen generell für den Einstieg ins Berufsleben raten?
Ich würde empfehlen, Praktika zu machen – je mehr desto besser –, um während des Studiums schon erste Kontakte zu knüpfen. Als Einstieg ist es sicher gut, irgendwo in einem Unternehmen eine Stabsstelle zu haben – dann sollte man aber schnell versuchen, in einen Bereich bzw. eine Position zu wechseln, wo man Verantwortung trägt. Ich halte es auch für wichtig, dass man etwas macht, wofür man eine gewisse Leidenschaft, eine Passion hat.

Was würden Sie jungen Leuten gerne mit auf den Weg geben, die noch vor dem Studium stehen?
Wichtig ist zunächst einmal eine Ausbildung an der Universität. Da kommt es noch nicht so drauf an, was man studiert, da man im Studium vor allem lernt, wie man Probleme angehen und auf verschiedene Weisen lösen kann. Nach dem Studium sollte man sich intensiv Gedanken über die erste Arbeitsstelle machen und sich gut überlegen, ob man zum Beispiel in eine Führungsposition will oder nicht. Ausserdem sollte man sich sehr schnell spezialisieren: Je spezialisierter man ist, desto höher ist die Chance, in eine Führungsposition zu kommen.

Welche Frage, die Sie gerne beantworten würden, haben wir noch nicht gestellt?
Vielleicht, ob es für Frauen Unterschiede bei den beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten gibt: Frauen sollten versuchen, im Alltag ihr Netzwerk zu pflegen – das ist nämlich etwas, was viele Frauen eher nicht machen. Sie sollten Präsenz zeigen und sich aktiv informieren, welche Netzwerke im Unternehmen bestehen. Und, was natürlich gerade für Frauen wichtig ist, wenn sie Kinder haben: Sie sollten versuchen, berufstätig zu bleiben und nicht jahrelang aussteigen. Man kann ja auch in einem kleinen Pensum arbeiten: Hauptsache dran bleiben!

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