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"Wir geben den Produkten ein Gesicht" – Roman Hartmann, Farmy

Max by
31 Aug 2015 um 11:32

Frische, biologische und regionale Produkte entspannt online bestellen: Warum die Wahl des Gründungsstandorts für Farmy auf die Schweiz gefallen ist und was das Start-up so besonders macht, erzählt Mitgründer Roman Hartmann im Interview.

Gründer Roman Hartmann und das Farmy Team

Roman, erzähl uns etwas über deinen Werdegang. Wie kamst du zu Farmy?
Ich habe BWL an der Uni Hamburg studiert. Nach dem Studium war ich zunächst in der Beratung tätig, mit Fokus auf Online-Handel, und habe später in Russland einen Online Shopping Club aufgebaut und geführt. Die konkrete Businessidee für Farmy hatten Tobias Schubert und ich Ende 2013.

Was magst du an deinem Job am meisten?
Am meisten mag ich, dass ich mit Produkten zu tun habe, mit denen ich mich total identifizieren kann. Ausserdem kann ich mein Hobby mit der Erfahrung, die ich bisher gesammelt habe, verbinden. Auf der einen Seite bin ich E-Commerce Experte, auf der anderen Seite interessieren mich Regionalität und die Transparenz von Produkt- und Lebensmittelherkunft. Diese beiden Seiten konnte ich mit dem Start-up ideal verbinden.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Farmy in der Schweiz zu lancieren?
Wir haben uns die europäischen Märkte angeschaut und anhand von fünf Kriterien verglichen: Zunächst die Pro-Kopf Ausgaben für Bio-Produkte – diese sind in der Schweiz weltweit am höchsten. Zweitens die Bereitschaft der Leute, für regionale Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Auch hier ist die Schweiz sehr weit vorne – auf dem deutschen Markt etwa ist der Preis ein wichtigerer Entscheidungsfaktor. Natürlich ist auch das generelle Einkommensniveau der Menschen ein Kriterium, ebenso wie der Stand der Marktentwicklung, was das Produktangebot betrifft. In der Schweiz ist die ganze Thematik rund um regionale Produzenten sehr weit entwickelt und die Menschen sind demgegenüber sehr offen. Ausserdem ist der Markt in der Schweiz seit der Gründung von LeShop und später auch coop@home logistisch gut erschlossen und die Menschen kaufen auch wirklich Lebensmittel online. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Online-Marktanteil bei Lebensmitteln bei 2%, in Deutschland sind es nur 0,5%. Es hat sich also herausgestellt, dass die Schweiz einfach ein bisschen weiter entwickelt ist, was den Online-Handel von Lebensmitteln betrifft. Deshalb sind wir bewusst hierher umgezogen und haben Farmy hier gegründet.

Was unterscheidet Farmy von anderen Unternehmen der Branche?
Wenn man sich den Online-Lebensmittelhandel anschaut, gibt es drei Punkte, die uns von anderen Unternehmen unterscheiden:
Erstens die Transparenz die Herkunft der Produkte betreffend. Jedem Produkt ist auf unserer Plattform ein Profil zugeordnet; du siehst also als Kunde immer den Produzenten oder den Bauern dahinter. Dazu gibt es ein kleines Video-Interview und Bilder, so dass man im Endeffekt das Gefühl hat, direkt vom Produzenten zu kaufen. Man kann sagen, das Produkt bekommt so ein Gesicht. Es ist ein grosser Trend, dass Menschen nicht mehr von Massenkonzernen kaufen wollen, die Massenproduktion betreiben, sondern wieder traditioneller und persönlicher bei kleineren Produzenten, die er kennt.
Der zweite Unterschied ist die Frische der Produkte: Da wir kein Bestandslager für verderbliche Produkte haben, sind die Produkte frischer, wenn man sie bei uns kauft – denn wir kaufen eigentlich nur Produkte, die wir auf der Plattform bereits verkauft haben. Das nennen wir Cross-Docking Sourcing und funktioniert so: Ein Kunde bestellt heute bei uns einen Salat, einen Liter Milch und ein Kilo Hackfleisch. Die Bestellung wird am Abend automatisch an den Produzenten weitergegeben. Dieser verpackt oder erntet das Produkt am nächsten Tag auf dem Feld und liefert es an uns. Am gleichen Tag – also morgen – wird es bei uns im Logistikcenter in einzelne Bestellungen verpackt und geht direkt an den Kunden raus. Im Durchschnitt sind die frischen Produkte (vor allem Obst und Gemüse) von uns dann rund 2 bis 3 Tage frischer als die Produkte aus dem Supermarkt, wo es eine Bestandslagerung gibt.
Als dritten Punkt haben wir als Unterscheidungsmerkmal für uns die Customer Experience definiert. Das umfasst ganz einfach das Gesamterlebnis und betrifft eigentlich alle Berührungspunkte mit dem Kunden. Auf der Webseite möchten wir ihm das beste Erlebnis nach neuesten Standards des Online-Shoppings bieten – sei es im Browser oder mobil. Ab Anfang September wird es auch eine Farmy-App geben.
Zudem haben wir hier in Zürich eigene Kuriere mit eBikes, die wir schulen damit sie einfach sehr freundlich sind und unsere Philosophie an den Kunden vermitteln. Am Ende soll das ganze Paket stimmen: Bei der Bestellung, bei der Lieferung, beim Auspacken und beim Verzehren. Wir achten sehr darauf, dass der Kunde immer happy ist.

Bietet ihr bei Farmy Stellen für Studenten oder Absolventen an?
Ja, fast ausschliesslich. Wir haben bisher sehr viel mit Praktikanten gearbeitet und haben im Moment vier bis fünf Praktikantenstellen, die wir meist halbjährig neu besetzen. Für Studenten und Absolventen sind diese besonders interessant, weil wir auch eine Übernahme in Aussicht stellen. Wenn ein Praktikant bei uns anfängt und nach einem halben Jahr passt es für uns beide gut und es entwickelt sich so, wie wir uns das vorgestellt haben, dann ist es schon möglich, dass wir auch eine Festanstellung anbieten. Für Absolventen ist das wirklich eine super Möglichkeit, weil man sich – wie bei fast allen Start-ups – auch bei uns schnell weiterentwickeln kann.

Alle Jobs bei Farmy

Welche Fähigkeiten muss man für einen Einstieg bei Farmy mitbringen?
Uns ist wichtig, dass sich die Bewerber mit dem Thema identifizieren können, zu unserer Zielgruppe gehören und sich am besten auch privat dafür interessieren. Und natürlich muss man bereit sein, in einem Start-up zu arbeiten. Das ist schon etwas anderes als wenn man zu UBS oder zu Siemens geht: In einem Start-up muss man immer flexibel sein und auch bereit, mal bei anderen Dingen anzupacken, wenn es nötig ist. Solche Situationen gibt es öfter mal in einem kleinen Team – etwa dass kurz vor Weihnachten alle im Lager mithelfen. Man sollte auf jeden Fall offen sein und Spass daran haben, so ein Thema mit aufzubauen. Das ist nichts für jemanden, der gerne als Investmentbanker im Schlips Karriere machen möchte.

Welche Vorteile hat man als Berufsanfänger, wenn man bei einem kleinen Unternehmen einsteigt?
Ein allgemeiner Vorteil von Start-ups ist, dass man viel mehr lernt, weil man von Anfang an mehr Verantwortung übernimmt. Bei uns ist es so, dass auch Praktikanten konkrete Projekte verantworten und diese ziemlich selbstständig bearbeiten können. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich innerhalb eines Start-ups schneller entwickeln kann, da es ziemlich schnell wächst. Wenn du mit dabei bist, entwickelst du dich auch schneller, auch deine Position und deinen Verantwortungsbereich betreffend.

Möchtest du Studenten noch etwas mit auf den Weg geben? Vielleicht einen Tipp für jemandem, der eine Geschäftsidee hat und ein Start-up gründen möchte?
Wenn man eine gute Idee hat und daran glaubt, kann man es schon probieren. Man muss sich aber bewusst sein, dass es sehr schwer ist. Man hört immer so viele Erfolgsstories, weil die natürlich präsenter sind. Tatsächlich scheitern aber über 90% aller Start-ups. Deshalb sollte die Bereitschaft, auch mal zu scheitern bzw. das Business Model komplett zu überdenken, einfach von Anfang an gegeben sein. Ausserdem muss man bereit sein, ein gewisses finanzielles Risiko einzugehen.
Ich empfehle, zunächst bei einem Start-up zu arbeiten und dort Erfahrungen zu sammeln. Wenn du als Student nämlich zu einem Investor gehst – und einen Investor brauchst du so oder so – hast du mit mehrjähriger Erfahrung bei einem erfolgreichen Start-up auf jeden Fall bessere Karten.

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