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„Im Zweifelsfall warte ich lieber auf die richtige Person“ – Nadine Widmer, COO bei PrimeTax

Max by
02 Sept 2015 um 12:44

Beim ersten Vorstellungsgespräch ist Nadine Widmer immer dabei – die finale Entscheidung für oder gegen einen Bewerber wird bei PrimeTax demokratisch gefällt. Ein Gespräch über Firmenkultur, den ersten Eindruck und Partybilder bei Facebook.

Nadine Widmer ist COO bei der PrimeTax AG

Frau Widmer, wie sieht ein typischer Recruiting-Prozess bei PrimeTax aus?
Normalerweise finden Bewerber unsere Anzeigen auf der Internetseite und bewerben sich anschliessend per Post oder E-Mail bei uns – wir bevorzugen dabei die elektronische Art. Anschliessend begutachten wir das Bewerbungsdossier: Finden wir den Kandidaten interessant, laden wir ihn zu einem ersten Interview ein. Dieses wird grundsätzlich immer von mir als COO und einer weiteren Person, meist einem Partner, durchgeführt. Dann bekommt der Kandidat ein Feedback, ob er zu einem zweiten Bewertungsgespräch eingeladen wird oder nicht. Wenn es zu einem zweiten Interview kommt, findet dieses mit dem Geschäftsinhaber Stefan Widmer und einer weiteren Person statt – in der Regel wieder einem Partner.

Das zweite Interview findet meistens um die Mittagszeit statt, damit der Bewerber anschliessend mit einer geeigneten Person aus dem Team zum Mittagessen gehen kann. Das machen wir ganz bewusst: Da wir ein Unternehmen mit 23 Mitarbeitern sind, ist uns besonders wichtig, dass der Bewerber auch persönlich in unser Team passt, und auf diese Weise können wir ihn und er uns besser kennenlernen.

Wenn der Bewerbungsprozess beendet ist, folgt die finale Entscheidung, die eigentlich immer im Team gefällt wird. Zusammengefasst haben wir also zwei Interviews und das Mittagsessen. Das Team stimmt dann demokratisch ab und wir entscheiden, wer am besten zu uns passt.

Wie lange nehmen Sie sich Zeit, um das Anschreiben und den CV durchzulesen?
Das ist unterschiedlich. Wenn das Anschreiben extrem lang ist, dann lese ich oft zunächst quer im Lebenslauf.

Was heisst extrem lang? Beziehungsweise zu lang?
Mehr als eine Seite. Wenn im Anschreiben Unwichtiges bis ins Detail erklärt wird, spricht mich das nicht besonders an. Dann werfe ich lieber einen Blick in den CV und mache dort einen kurzen Check: Wo hat der Bewerber gearbeitet? Welche Stationen hat er bereits durchlaufen? Welche Anforderungen werden abgedeckt? Wenn ich zum Beispiel sehe, dass ein Stellensuchender ein Studium in Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften absolviert und vielleicht schon Erfahrungen im Bereich Recht und Steuern hat, dann gehe ich auf jeden Fall weiter in die Tiefe, lese das Anschreiben und anschliessend die Zeugnisse, falls es welche gibt.

Bevorzugen Sie beim Lebenslauf die chronologische oder umgekehrt chronologische Form?
Ich bevorzuge die chronologische Form: So kann ich genau nachverfolgen, wann der Bewerber was gemacht hat. Das ist besonders hilfreich bei Kandidaten, die bereits einige Stationen durchlaufen und sich auf dem Karriereweg vielleicht schon mal umorientiert haben – das lässt sich bei der chronologischen Form besser nachvollziehen.

Wie wichtig ist der berühmte erste Eindruck im Vorstellungsgespräch? Was sind hier die häufigsten Fehler, die gemacht werden?
Der erste Eindruck macht für mich wirklich viel aus: Wie tritt der Kandidat auf, wie verhält er sich, spricht er zu viel? Manche Bewerber treten beispielsweise viel zu selbstbewusst auf und wirken dadurch manchmal etwas arrogant: Das macht bei mir eher einen schlechten Eindruck. Ich persönlich bevorzuge Mitarbeiter, die auch zu ihren Schwächen stehen können. Bewerber sollen sich vor allem natürlich verhalten, einfach und direkt auf die Fragen antworten und nicht zu viel sprechen – das ist immer ein Zeichen von Nervosität. Bei mir spielt der erste Eindruck schon eine grosse Rolle.

Wie ausschlaggebend sind Noten und Qualifikationen Vergleich zu Soft Skills und Persönlichkeit bei der Entscheidung für einen Kandidaten?
Mir ist es viel wichtiger, dass ein Kandidat ausreichend Soft Skills mitbringt. Sicher muss er oder sie auch einen Abschluss in Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften haben – aber wie gut das Studium im Detail abgeschlossen wurde, ist für mich kein ausschlaggebendes Kriterium für eine Einstellung. Wir achten da mehr aufs Menschliche: Wie verhält sich der Bewerber und wie passt er zum Unternehmen und dem Team? Und natürlich auch: Möchte er wirklich das Steuerrecht erlernen?

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Welche Wege nutzen Sie beim Recruiting? Welche sind für Bewerber vielleicht aussichtsreicher als andere?
Ich bin noch dabei herauszufinden, welches der beste Recruiting-Prozess ist. Letztes Jahr waren wir relativ erfolgreich mit dem Absolventenkongress, der Mitte Dezember in Zürich stattfindet. Dort kann man zum einen aktiv Studenten ansprechen und die Firma vorstellen, zum anderen kommen auch Studenten auf uns zu und erkundigen sich, was wir genau machen. Das empfand ich als wirklich erfolgreich und wir haben im Anschluss auch einige Bewerbungen erhalten.

Ausserdem schreiben wir auf unserer Internetseite das ganze Jahr über eine Ausbildungsstelle zum Steuerexperten aus – davon bin ich wirklich überzeugt. Ich denke, wenn sich Personen auf diesem Weg aktiv und überzeugend bewerben, dann lohnt es sich, sie genauer anzuschauen. Wir würden durchaus auch eine neue Stelle schaffen, wenn sich die richtige Person bewirbt. Auch über Social Media haben wir schon Anzeigen geschaltet, aber die Resonanz war nicht besonders gross. Ganz allgemein sind Online-Plattformen aber sicher am erfolgreichsten. Printanzeigen sind zweifellos veraltet.

Welche Tipps geben sie Absolventen und Studierenden bezüglich ihrer Social Media Profile?
Ich finde, Profile bei LinkedIn und Xing sind wirklich eine gute und sinnvolle Sache. Facebook halte ich für Businessangelegenheiten für unprofessionell und damit ungeeignet – das ist eher eine Plattform für private Kontakte.

Ich finde es auch sehr wichtig, Studenten dafür zu sensibilisieren: Ich hatte schon die Situation, dass mir ein Student am Montag sagt, dass er krank ist, und auf seinem Facebook-Profil ist zu sehen, dass er am Samstag und Sonntag bei verschiedenen Parties war – da weiss man natürlich sofort, um welche Krankheit es sich handelt. Das finde ich sehr heikel und deshalb wäre ich sehr zurückhaltend in Sachen Facebook.

Wie ist die Angabe „ab sofort“ in der Stellenanzeige zu verstehen?
Das ist eine sehr gute Frage, da diese Angabe erfahrungsgemäss viele Kandidaten verunsichert. Bei mir heisst „ab sofort“ wirklich auch ab sofort – aber nur, wenn ich den passenden Kandidaten finde. Fehlentscheidungen bei der Rekrutierung sind gravierend: Die doppelte Einarbeitungszeit, wenn es mit dem ersten Bewerber nicht klappt, verursacht hohe Personalkosten. Im Zweifelsfall warte ich deshalb lieber 3 Monate länger auf die richtige Person, anstatt jemanden einzustellen, einfach nur weil er sofort anfangen kann. Bewerber, die noch an Kündigungsfrist oder Studium gebunden sind, haben demnach nicht zwangsläufig schlechtere Chancen.

Sollte man nachhaken, wie der Status der Bewerbung ist? Kommt es gut an, sich per Telefon zu melden?
Meine persönliche Meinung ist: Nein es kommt gar nicht gut an! Für mich ist es sogar beleidigend, da ich mich grundsätzlich in jedem Fall bei den Bewerbern melde. Aber ich weiss, dass es da unterschiedliche Meinungen gibt. Ich persönlich habe es lieber, wenn sich jemand nochmal schriftlich bei mir erkundigt. Das empfinde ich als viel angenehmer als ein Telefonat.

Was macht PrimeTax zu einem attraktiven Arbeitgeber?
Bei uns herrscht ein familiäres Arbeitsklima; wir haben ein Grossraumbüro und flache Hierarchien. Da kann es gut passieren, dass ein Consultant mit einem Partner zusammen ein Problem diskutiert. Oftmals kommt dann noch eine andere Person dazu und diskutiert mit: Wir pflegen eine sehr offene Kommunikation in unserem Unternehmen. Und wir machen viel für unsere Mitarbeiter: Zum Beispiel gibt es jedes Jahr ein Skiwochenende, und jetzt im September feiern wir unser 5-Jähriges Jubiläum – da trinken wir einen Apéro zusammen. Es gibt immer wieder tolle Ideen und Gelegenheiten, bei denen man sich untereinander privat besser kennen lernen kann. Das finde ich sehr schön.

Attraktiv ist PrimeTax meiner Meinung nach auch, weil wir eine steuerberatende Firma sind, in welcher die Mitarbeiter noch alle Probleme bearbeiten können. Durch die flächendeckende Ausbildung hat nicht jeder nur ein einziges Spezialgebiet, welches er bearbeitet.

Was schätzen Sie persönlich an PrimeTax als Arbeitgeber besonders?
Ich schätze es sehr, dass wir ein Unternehmen von 23 Mitarbeitern sind: Man kann bei uns noch neuen Input und Ideen einbringen und Vorschläge zur Umstrukturierung von Prozessen und Abläufen machen, die dann tatsächlich auch umgesetzt werden. Das schätze ich sehr an PrimeTax.

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