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BWL zum Anfassen: Gudrun G. Vogt, Gründerin von Targetsim

Max by
08 Sept 2015 um 12:57

BWL einfacher und mit mehr Spass vermitteln als in Vorlesungen: Was sich sicher viele schon gewünscht haben, hat Gudrun G. Vogt in die Tat umgesetzt. Heute entwickelt ihr Unternehmen Targetsim massgeschneiderte „Monopoly für Manager“. Ein Gespräch über Risiken, frühes Aufstehen und die Zukunft der Arbeit.

Dr. Gudrun G. Vogt, Gründern der Targetsim AG

Dr. Gudrun G. Vogt
Gründerin & Managing Partner Targetsim AG
Hochschulabschluss: Dr. oec. HSG

Frau Vogt, Sie sind Gründerin von Targetsim. Welche Leistungen bietet Ihr Unternehmen an?
Wir entwickeln Unternehmenssimulationen. Das sind betriebswirtschaftliche Brettplanspiele, sozusagen BWL zum Anfassen und Begreifen. Damit unterstützen wir strategische Initiativen von Unternehmen und helfen Führungskräften ohne BWL-Studium, unternehmerische Zusammenhänge zu verstehen. Wir sind eine kleine Firma, aber wir arbeiten mit grossen Unternehmen weltweit.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Ich beschäftige mich mit der Geschäftsentwicklung. Da geht es um neue Kunden, um neue Märkte und neue Produkte. Ich begleite auch Produktentwicklungen für unsere Schlüsselkunden. Vom Kick-off bis zum Roll-out bleibe ich in Kontakt mit dem Auftraggeber und schaue mit unserem Entwicklerteam, dass die Simulation punktgenau das bringt, was der Kunde erwartet.

Wann wussten Sie, dass Sie in den Bereich wollen, in dem Sie heute sind?
Der Bereich, in dem ich heute arbeite, verbindet mehrere Themen, die ich schon als Jugendliche spannend fand: Unternehmen an sich und unternehmerisches Denken und Handeln, aber auch Design und Kommunikation. Dass ich einmal Unternehmenssimulationen entwickeln würde, hat sich erst im Studium ergeben.

Wie sah ihr Berufsweg bis zur Gründung von Targetsim aus?
Ich habe nach der Matura eine KV-Lehre gemacht und ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt: in einer Werbeagentur, einem Ingenieurbüro und im Einkauf eines Industrieunternehmens. So habe ich gemerkt, dass es viele interessante Branchen zu entdecken gibt. Ich war immer neugierig, wie die Unternehmen funktionieren; ich wollte das grosse Ganze verstehen. Vor allem aber wollte ich wissen, welche Menschen es möglich machen, dass am Ende der Kette ein gutes Produkt die Firma verlässt. Das war mit ein Grund, warum ich mit 30 angefangen habe, BWL zu studieren und mich auf HR-Management spezialisiert habe. Ich bin eine vielseitig interessierte Generalistin und lerne gerne Neues. Das passt gut zu meiner heutigen Tätigkeit.

Was war Ihre erste Station nach dem Studium?
Obwohl ich gute Angebote hatte, wusste ich schon im Studium, dass ich danach nicht mehr angestellt arbeiten will. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie – Risiko und Ungewissheit fand ich normal, das gehört eben dazu. Noch während des Doktorandenstudiums wurde die Firma gegründet.

Wie kamen Sie auf die Geschäftsidee?
Die Idee mit den Unternehmenssimulationen kam im Masterstudium an der Uni St. Gallen. Ich fand, BWL sollte einfacher zu verstehen sein als in den Vorlesungen an der Uni. Betriebswirtschaft ist spannend und verdient es, lebendig, spielerisch und mit Spass vermittelt zu werden. So entstand die Idee eines Monopoly für Manager. Das ist die einfachste Art zu erklären, was wir machen. Aber natürlich ist es komplexer, strategisch und firmenbezogen. Sonst würden grosse Firmen das Instrument nicht einsetzen.

Wie lange dauerte es von der Idee bis zum ersten Auftrag?
Etwa zwei Jahre. Der erste Kunde war Skyguide, die Flugsicherung der Schweiz. Der Leiter der Organisationsentwicklung kam auf mich über einen Artikel, den ich für die Handelszeitung geschrieben hatte. Skyguide wurde damals vom Bund in die finanzielle Unabhängigkeit entlassen. Wir durften dafür eine massgeschneiderte Simulation des Flugsicherungsgeschäfts entwickeln. Über 1000 Mitarbeitende konnten so erleben, was sich mit der finanziellen Selbständigkeit für sie verändert. Das war ein toller erster Auftrag und hat uns direkt eine Empfehlung an eine andere Grossfirma gebracht.

An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell?
Wir lancieren in Kürze eine neuartige Simulation und sprechen damit ein neues Kundensegment an. Gerade arbeiten wir am Marketing- und Vertriebskonzept und an der Landing Page.

Was war die bisher grösste Herausforderung in Ihrer aktuellen Position?
Als wir einen Auftrag von HP in den USA gewannen, wo es darum ging, in wenigen Monaten zehn verschiedene Branchensimulationen zu entwickeln. Damit sollten IT-Berater in nur zwei Tagen verstehen, wie eine bestimmte Branche tickt, z.B. ein Grossverteiler oder eine Telekommunikationsfirma. Der Zeitdruck war enorm. Zu den geplanten Pilotterminen war aber alles bereit.

Gibt es viele Konkurrenten oder ist Targetsim (noch) der einzige Anbieter in diesem Bereich?
Wir sind nicht die einzigen Anbieter von haptischen Unternehmenssimulationen, aber wir gehören zu den Top 5 weltweit. Uns zeichnet die Swissness aus und was dahinter steht: Ein klares Profil, Zuverlässigkeit, Einfachheit, hochwertiges Material, schönes Design.

Was mögen Sie an Ihrem Job am meisten? Was weniger?
Durch die massgeschneiderten Simulationsentwicklungen lerne ich immer wieder neue Firmen kennen. So haben wir kürzlich eine Simulation für einen Weltmarktführer im Gerüstebau entwickelt, ein echter „hidden champion“. Es begeistert mich immer, wenn ich im Pilot-Workshop sehe, dass unser Team ein komplexes Geschäftsmodell erfolgreich in der Simulation umgesetzt hat. Auch gefällt mir, dass ich in unterschiedlichen Kulturkreisen arbeiten kann. Ich mag Menschen und freue mich, immer wieder interessante Leute kennenzulernen.
Weniger mag ich, dass ich manchmal sehr früh aufstehen muss, weil ein Kunde ein Meeting am Morgen angesetzt hat und ich erst noch von Zürich anreisen muss. Vor 6 Uhr aufstehen ist nicht mein Ding. Aber das kommt zum Glück nur selten vor.

Was würde Sie Ihrem 18-jährigen Ich gerne mit auf den Weg geben?
Sei offen für Neues, ergreife Gelegenheiten und trau dir etwas zu. Und freu dich über deine Erfolge!

Hätten Sie sich am Anfang Ihrer Karriere gern als Vorgesetzten gehabt?
Ja, ich denke, ich hätte mich gerne als Chefin gehabt. Ich bin jemand, der zuverlässig und eigenständig auf ein Ziel hinarbeitet. Mikromanagement liegt mir nicht.

In einer Welt, in der es Ihren Job nicht gibt: Was machen Sie?
Ich würde als selbständiger Knowledge Worker in einem virtuellen Team von smarten Leuten an interessanten Projekten arbeiten, vielleicht im Bereich Experiential Marketing oder Design Thinking. So sehe ich die Zukunft der Arbeit: Selbständig, projektbezogen, standortunabhängig, an immer neuen Aufgaben arbeiten. Ich glaube nicht, dass grosse Firmen noch Arbeitsplatzsicherheit bieten können, das zeichnet sich bereits ab. Wir werden länger arbeiten müssen und sehr flexibel, wie Nomaden der Arbeitswelt. Als ich das 1998 in meiner Doktorarbeit beschrieben habe, war es utopisch. Jetzt ist es für viele schon Realität.

Was schätzen Sie persönlich an Targetsim besonders?
Wir sind ein kleines Beratungsunternehmen in einer Nische der BWL, aber wir arbeiten mit grossen internationalen Firmen zusammen. In unserem multikulturellen Team kann man viel voneinander lernen. Wir bieten zeitgemässe Arbeitsstrukturen mit hoher Flexibilität, auch auf Teilzeitbasis oder als Freelancer.

Für welche Bereiche und Einstiegspositionen suchen Sie Absolventinnen und Absolventen?
Wir haben gerade Mitarbeitende für die grafische Gestaltung und für das Webdesign gefunden. Beide arbeiten neben Ihrem Studium an der ZHdK bzw. der Uni Zürich bei uns. Momentan suchen wir jemanden, der uns als Simulation Architect bei der Entwicklung von BWL-Simulationen unterstützt. Dafür passt am besten eine Person mit guten analytischen Fähigkeiten, die gerne mit Zahlen arbeitet.

Wir suchen auch immer Moderatoren für unsere Unternehmenssimulationen. Da brauchen wir Leute mit einer soliden Basis in Finanzen oder Accounting, mit Freude an der Wissensvermittlung und am Reisen. Aufgrund unserer internationalen Kunden kommt man als Moderator in der Welt herum.

Welche Studienfächer sind bei Targetsim besonders gefragt?
Für unser betriebswirtschaftliches Produkt sind Leute aus der BWL naheliegend. Wir haben aber gemerkt, dass es auch Studierende der technischen oder Ingenieur-Fächer gibt, die sich schnell in Entwicklung oder Moderation einarbeiten können. Für den Bereich Marketing sind Leute aus der Publizistik oder Kommunikation interessant.

Was würden Sie Studenten und Absolventen generell für ihren Einstieg ins Berufsleben raten?
Versuchen, durch mehrere Kurz-Praktika herauszufinden, was einem gefällt. Ein guter Job zeichnet sich nicht nur interessante Arbeitsinhalte aus, sondern auch durch die Arbeitsbedingungen und die Unternehmenskultur.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Wer nicht den Mut hat, bekannte Ufer zu verlassen, wird nie neue Welten entdecken!

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