Bleistift und papier   grunde nicht einstellen

Wann haben Sie das letzte Mal eine Regel oder Vorschrift missachtet und warum?

08.October 2015 3 Min. Lesezeit Interview

„Regeln sind da, um gebrochen zu werden.“ Wie oft haben wir das schon gehört? Und Dinge zu hinterfragen und sich im Zweifelsfall lieber auf seine eigene Einschätzung zu verlassen, ist im Prinzip auch nichts Schlechtes. Aber trotzdem: Vorsicht mit solchen Äusserungen im Bewerbungsgespräch! Bei der Antwort auf diese Frage gilt es, die goldene Mitte zu finden um am Ende weder als stets folgsames Schäfchen noch als draufgängerischer Rebell dazustehen.

Alternative Formulierung:

  • Wann haben Sie das letzte Mal die Regeln gebrochen und warum?

Vorbereitung auf diese Frage:

Fragen wie diese sind bestens geeignet, dich zu überrumpeln und aus dem Konzept zu bringen – gerade deshalb solltest du mit ihnen rechnen und dir ein paar Antwortbeispiele zurechtlegen. Wann hast du dich zum letzten Mal nicht an die Regeln gehalten? War es ein harmloser Regelverstoss in einer Alltagssituation? Super! Oder hast du vielleicht im Büro einmal regelwidrig gehandelt, weil das Unternehmen im Endeffekt davon profitiert hat?

Dos:

Du musst dem Interviewer zeigen, dass du Vorschriften respektierst, aber nicht blind befolgst, sondern immer auch mitdenkst. Du hast dich an einem entscheidenden Punkt nicht bei deinem Vorgesetzten rückversichert und eigenmächtig eine Entscheidung gefällt, als dieser im Urlaub war? Und dadurch die wichtige Deadline doch noch erreichen können? Prima! Und ein gutes Beispiel für einen Moment, an dem du dich nicht an die Vorschriften aus der Chefetage gehalten hast und sich das als gute Entscheidung rausgestellt hat. Wenn du kein passendes Beispiel parat hast, kannst du deine Einstellung zu dem Thema auch allgemeiner beschreiben.

„Für mich hat es etwas mit Respekt zu tun, die Vorschriften zu achten, die das jeweilige Unternehmen für sich festlegt. In Einzelfällen kann es meiner Meinung nach jedoch auch angebracht sein, sich darüber hinwegzusetzen - zum Beispiel, wenn die Vorschrift dem Erfolg eines Projektes im Weg steht.“

Don’ts:

Beide Extreme sind hier als Antwort unerwünscht.

„Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich würde niemals Regeln brechen.“

So präsentierst du dich als ewig folgsamen „Auftragserfüller“, der wahrscheinlich überfordert ist, sobald er mal sein eigenes Urteilsvermögen aktivieren soll.

„Ja, das passiert schon mal. Wenn sich Vorschriften nicht mit meinen Vorstellungen vereinbaren lassen, halte ich mich auch nicht daran. Ich denke, ich kann selbst ganz gut einschätzen, was man bleiben lassen sollte und was nicht.“

Niemand stellt Besserwisser ein. Regeln zu hinterfragen ist okay; sie einfach zu ignorieren und nicht ernst zu nehmen, schlichtweg dreist und respektlos.

Was der Recruiter mit dieser Frage bezweckt:

Der Recruiter möchte hier vor allem sehen, wie du reagierst und wie ehrlich du bist. Niemand hat noch NIE die Regeln gebrochen - das weiss auch der Personaler. Natürlich ist die Frage trotzdem trickreich, denn der Grat zwischen dem cleveren, eigenständigen Mitarbeiter und dem Paragrafenreiter ist ein schmaler!

Die Geschäftsleitung möchte weder jemanden einstellen, der sich ständig über interne Vorschriften hinwegsetzt, noch jemanden, der strikt und penibel auf jede noch so unnötige Regel beharrt. Wichtig ist, dass der Bewerber eine Lage einschätzen kann und situationsgerecht entscheidet.

Wir meinen:

Bleib entspannt und ehrlich – natürlich ohne dich dabei als kleinkriminell darzustellen. Wenn dir ein passendes Beispiel für eine Situation einfällt, in der du bereits unternehmensinterne Regeln gebrochen hast und damit punkten konntest, solltest du dieses nennen. Ansonsten solltest du dich von einer eher diplomatischen Seite zeigen und deine Antwort etwas genereller halten.