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„Insgesamt schneidet die Schweiz sehr gut ab“ – Björn Schlesinger über die QS World University Rankings 2015/16

Max by
12 Okt 2015 um 14:39

Als erste Schweizer Hochschule hat es die ETH Zürich in die Top Ten der weltweit besten Universitäten geschafft. QS Senior Marketing Manager Björn Schlesinger erklärt, wie das Ranking zustande kommt und was die ETH tun muss, um es ganz nach oben zu schaffen.

Björn Schlesinger, Senior Marketing Manager bei Quacquarelli Symonds Björn Schlesinger
Senior Marketing Manager
Quacquarelli Symonds

Herr Schlesinger, das QS-Ranking wird seit 2004 veröffentlicht. Dieses Jahr ist mit der ETH Zürich zum ersten Mal auch eine Schweizer Universität in den Top Ten. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Die ETH ist seit Einführung unserer Rankings in steter Aufwärtsbewegung. Die Hochschule geniesst sowohl bei Akademikern als auch bei Arbeitgebern weltweit ein hohes Ansehen. Die Fakultät ist sehr international und erzielt im Bereich Zitationsrate einen hohen Wert, denn die Universität ist sehr forschungsorientiert. Der einzige Indikator, bei dem die ETH im Vergleich zum Gesamtergebnis noch etwas niedrig abschneidet, ist das Verhältnis von Studenten zur Fakultät.

Wo sehen Sie die ETH Zürich in fünf Jahren?
In Rankings ist die Konkurrenz gerade in den Top 10 natürlich sehr hoch und die Ergebnisse an diesen zehn Elite-Universitäten unterscheiden sich oft nur minimal. Es gibt natürlich noch ein wenig Raum nach oben. Aber allein die Tatsache, dass man es in unter die ersten zehn weltweit geschafft hat, ist ein klares Zeichen von Exzellenz.

Nach welchen Kriterien werden die Universitäten beurteilt?
Die Rankings basieren auf den vier Säulen Forschung, Lehre, Internationalisierung und Beschäftigungsfähigkeit. Die Methodologie besteht dabei aus sechs Indikatoren: Wissenschaftliche Reputation (40%), Reputation unter Arbeitgebern (10%), Betreuungsverhältnis (20%), Zitationsrate (20%), Internationale Studenten (5%) und Internationale Fakultät (5%). In diesem Jahr haben 76.000 Akademiker und 44.000 Arbeitgeber weltweit zu den Ergebnissen beigetragen.

Wie entwickeln sich die Hochschulrankings?
Die Rankings sind für Studenten gemacht, um sich bei der Studienwahl besser orientieren zu können. Also mussten wir herausfinden, was Studenten aus Rankings erfahren wollen. Wir müssen ein ausgeglichenes Spielfeld für Rankings schaffen, das es ermöglicht, Universitäten ausgewogen zu beurteilen. So benutzen wir nur Messwerte, die sich global auf Universitäten anwenden lassen und für die man global Daten sammeln kann.

Weshalb sind die Universitäten Zürich, Bern, EPFL und HSG teilweise viel weiter hinten anzutreffen?
Die EPFL liegt weltweit auf Rang 14, was ein ausserordentlich gutes Ergebnis ist. Insgesamt schneidet die Schweiz mit ihrem Hochschulsystem auf globaler Ebene sehr gut ab. Die Stärke liegt besonders im Bereich Forschung, und dort kann man es dann durchaus mit den Zugpferden USA und UK aufnehmen. Die Hochschule St. Gallen hat in diesem Jahr ein paar Plätze gut gemacht, was auch auf kleine Anpassungen in der Methodologie zurückzuführen ist (zum Beispiel die Zählung der Zitationshäufigkeit). Doch führten diese Veränderungen in der Methode bei einigen Universitäten auch zu einem leichten Abrutschen nach unten.

Muss ich als Student an einer der Top 50 Universitäten studieren, um es ganz nach oben zu schaffen?
Es gibt zwar auch viele erfolgreiche Unternehmer und generell Leute, die es komplett ohne Studium ganz nach oben geschafft haben, doch gibt es zweifellos einen starken Zusammenhang zwischen einer ausgezeichneten Ausbildung und beruflichem Erfolg. Das Wichtigste ist es jedoch, die passende Hochschule für das persönliche Profil, die Lernmethode und die eigenen Erwartungen und Pläne zu finden. MIT, Harvard oder Oxford sind zwar top Universitäten, sind deshalb aber noch lange nicht der richtige Ort für jedermann. Gerade in einzelnen Fächern kann man Exzellenz an vielen Universitäten finden. Ein Beispiel ist die University of Southern Carolina, die in den Fächerrankings auf Platz eins für Media & Communications ist, in den globalen Rankings aber nur Platz 130 belegt.

Die meisten Studierenden kennen QS durch Ihre Rankings. Was steckt sonst noch hinter dem Unternehmen Quacquarelli Symonds?
Neben den Rankings stellen wir Studenten eine Reihe weiterer Ressourcen zur Verfügung, die sowohl bei der Studienwahl als auch bei der Karriereplanung helfen sollen. So bringen wir mit unseren Messen QS World Grad School Tour und der QS World MBA Tour führende Universitäten und Business Schools mit zukünftigen Studenten zusammen – und das auf über hundert Events weltweit. Zudem veröffentlichen wir weitere Studien, Artikel rund ums Thema Studium und Studienführer.

Welche Tipps möchten Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?
Die Jobmöglichkeiten und beruflichen Profile ändern sich heute stetig. Manche Jobs von heute werden in einigen Jahren nicht mehr existieren, dafür formen sich andere Jobs, die auf Absolventen von Morgen warten. Auch wird es mehr Entrepreneure geben, die ihre eigenen Jobs kreieren. Wichtig ist also, dass man nicht aufhört zu lernen, seine Soft Skills entwickelt, innovativ, flexibel und vor allem neugierig ist. Die Investition in die eigene Bildung ist dabei überaus wichtig. Von daher versuchen wir, den Studenten mithilfe unabhängiger Informationen Richtlinien für ihre Entscheidungen und ihren Weg zu geben.

Man hört oft auch kritische Stimmen in Bezug auf Hochschulrankings. Wo stimmen Sie mit diesen überein und mit welchen Vorurteilen wollten Sie schon lange einmal aufräumen?
Rankings sind in sich kontrovers; alle Listen haben Kritiker wie auch Befürworter. Universitäten sind überaus komplex: Wenn man versucht, sie zu bewerten und zu vergleichen und dann noch die Ergebnisse für die Allgemeinheit einfach in einem Ranking darzustellen, unterliegt man natürlich gewissen Einschränkungen. Wie schon der britische Mathematiker George Box sagte: „All models are wrong, but some are useful“. Ich denke, unser Model ist nützlich für Studenten, denn es betrachtet für sie nützliche Bereiche; und die Beliebtheit der Rankings bestätigt zudem ihre Relevanz.

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