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„Das Wichtigste ist eine solide Grundausbildung“ – Dr. Christian Brönnimann, CEO bei Dectris AG

Max by
04 Nov 2015 um 10:38

Seit 2006 entwickelt die Dectris AG hochempfindliche Röntgenkameras und wurde unter anderem mit dem Swiss Excellence Product Award 2014 ausgezeichnet. CEO Christian Brönnimann über die Eigenschaften guter Mitarbeiter, den Fachkräftemangel und Schwachstellen des Studiums.

Christian Brönnimann, CEO und Gründer von Dectris AG

Herr Brönnimann, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? Gibt es den überhaupt?
Es ist sicher nicht jeder Tag gleich. Es kommt sehr darauf an, ob man unterwegs ist, auf Geschäftsreise oder im Büro. Im Büro stehen meist viele Sitzungen an – meine liebsten sind jene technischer Art, das sind immer die spannendsten. Darüber hinaus gibt es natürlich viel Administratives zu erledigen, und auch das Thema Stellenbesetzungen ist fast immer präsent: Hier müssen etwa Anträge für neue Stellen geprüft, Bewerbungen gesichtet und bewertet werden oder es gilt, einen passenden Kandidaten für eine offene Stelle bei Dectris zu suchen.

Als CEO ist man an verschiedenen Fronten tätig. Wie gehen Sie mit stressigen Situationen um?
Ich denke, dass ist eine Frage der Einstellung. Es ist natürlich schon unangenehm, wenn mehr ansteht, als zu schaffen ist. Für mich ist das Wichtigste, zu selektieren – das heisst, ich kümmere mich um die Dinge mit höchster Priorität und versuche den Rest bestmöglich zu delegieren. Das ist der grosse Vorteil an meinem Job: Ich habe mir ein Umfeld geschaffen, welches es mir erlaubt, Dinge zu delegieren.

Wenn wir gerade vom Delegieren sprechen: Hätten Sie sich gern selber als Vorgesetzten?
Das ist schwierig zu sagen. Ich bin jemand, der den Mitarbeitern grösstmögliche Freiräume lässt. Gleichzeitig fordere ich sie aber auch über ihre Aufgaben und Projekte und habe dementsprechend hohe Erwartungen. Wenn die Leute diese Anforderungen erfüllen oder sie gar übertreffen – dann bin ich ein angenehmer Vorgesetzter.

Welche Eigenschaften schätzen Sie besonders an Mitarbeitern?
Das Wichtigste ist meines Erachtens Selbständigkeit und Eigeninitiative sowie eine gute Portion Kreativität. Ausserdem erwarte ich, dass Leute allfällige Probleme aktiv angehen und möglichst schnell lösen oder zumindest systematisch und mit vollem Einsatz daran arbeiten. Das Lösen von Problemen gehört bei uns wirklich zum Berufsalltag, deshalb schätze ich Zuverlässigkeit in diesem Bereich natürlich sehr.

2006 haben Sie Dectris gegründet. Was würden Sie heutigen Absolventen raten, die eine Unternehmensgründung planen?
Zuallererst muss man wirklich von seiner Idee überzeugt zu sein. Des Weiteren halte ich einen Sparringpartner für notwendig, mit dem man die Idee skizzieren und überprüfen kann, ob wirklich alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Bei der Umsetzung ist der Faktor Verkauf wahnsinnig wichtig: Man muss immer wieder überprüfen, ob man seine Idee oder sein Produkt schlussendlich auch verkaufen kann. Eine gute Idee allein reicht für den Erfolg eines Unternehmens leider nicht aus.

War der Verkauf auch bei Dectris die grösste Herausforderung in der Gründungsphase?
Bei Dectris war es ein bisschen anders – der Verkauf der Produkte lief bei uns recht gut. Als Hightech-Unternehmen war unsere grösste Herausforderung vielmehr, die Technologie, die in den Laboren funktioniert hat, zu transferieren und wirklich zu stabilisieren.

Was zeichnet die Unternehmenskultur von Dectris aus?
Ganz eindeutig Innovation: Dass wir sehr innovativ und agil sind und dies auch bleiben. Dectris ist mittlerweile auf über achtzig Mitarbeiter angewachsen – damit steigen natürlich auch die Verantwortungen und die Aufgaben. Wir haben jetzt schon über 1000 Geräte in alle Welt verkauft, die alle supported werden wollen. Man muss schon sehr viel rückwärtsgerichtet bedenken, zum Beispiel bei Software, die mit den Produkten kompatibel sein muss. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass wir trotzdem immer noch aktiv und innovativ bleiben und neue Ideen gleich ausprobieren, damit wir mit wirklich neuen Produkten auf den Markt kommen können.

Der Fachkräftemangel ist ein allgegenwärtiges Thema in der Schweiz. Ist es auch für Dectris schwierig, qualifiziertes Personal zu finden?
Ja, die Rekrutierung ist ein sehr wichtiger Teil meiner Arbeit und es ist tatsächlich eine grosse Herausforderung, die richtigen Spezialisten zu finden. Wir stellen an und für sich natürlich gerne Schweizer ein. Aber wir sind auch davon abhängig, dass sich ausländische Bewerber bei uns bewerben. Dass ein Mangel an hoch qualifizierten Physikern und Ingenieuren besteht, ist unbestritten.

Sie stellen also hauptsächlich Physiker und Ingenieure ein?
Ja. Physiker, Ingenieure und Wissenschaftler im Allgemeinen.

Welche Fähigkeiten werden Ihrer Meinung nach im Studium zu wenig gefördert?
Das Wichtigste ist sicher eine solide Grundausbildung – ganz egal, ob man Informatik, Elektronik oder eine andere Wissenschaft studiert. Von einem Elektroniker erwartet man beispielsweise, dass er sich in Elektronik vor allem auch praktisch sehr gut auskennt, damit er Fehler finden und Probleme lösen kann.

Was ausserdem sehr wichtig ist und vielleicht zum Teil in Vergessenheit gerät, ist eine zielgerichtete Arbeitsweise: Dass man ein Ziel vor Augen hat und auf dieses fokussiert bleibt, sich immer wieder fragt, ob das, was man macht, auch zu diesem Ziel führt. Als wichtig erachte ich auch, sich und seine Arbeit gut und verständlich zu präsentieren. In letzter Zeit habe ich das Gefühl, es wird bei der Ausbildung zum Teil ein bisschen zu viel auf Projektmanagement geschaut. Das ist zwar wichtig, aber man kann es auch später im Job oder in Kursen noch lernen oder vertiefen.

Wie ausschlaggebend sind Zeugnisnoten und die Hochschule bei der Entscheidung für einen Kandidaten?
Ob Uni oder ETH ist uns nicht so wichtig – obwohl die ETH sicher einen guten Ruf hat. Die Zeugnisnoten hingegen schauen wir schon genauer an – schliesslich sind sie ein Abbild der Leistungen. Und dies wiederum ist ein wichtiger Teil des Bildes, welches man sich vom Kandidaten macht.

Welchen Tipp würden Sie heutigen Studierenden geben, damit sie erfolgreich in ihre Karriere starten?
Ich plädiere nach wie vor für eine technische, wissenschaftliche Ausbildung. Je mehr und je länger sich die Technologie um uns herum weiterentwickelt, desto mehr muss man diese auch verstehen. Nur dann kann man mit seiner Arbeitskraft auch einen Beitrag leisten. Die Grundvoraussetzungen sind Freude und Interesse am Studium und am Fachgebiet. Wenn die gegeben sind: Vollgas geben und sich eine gute technische Grundausbildung aneignen. Alles andere kann man auch später noch lernen.

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