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4 Irrtümer über Produktivität am Arbeitsplatz

Max by
02 Dez 2015 um 10:22

Alle wollen produktiver und effizienter sein, mehr schaffen in weniger Zeit, weiterkommen, Erfolge verzeichnen, und, und, und. Dabei noch auf die Work-Life-Balance achten, ein erfülltes Privatleben führen und genug Schlaf bekommen. Und obwohl es nur wenige hinbekommen, will fast jeder wissen, wie das (theoretisch) geht.

Befragt man Google zum Thema Produktivität, wird man mit Lesestoff überflutet, mit dem man Jahrzehnte verbringen könnte. Unzählige Tipps und Tricks, Apps und Add-Ons sollen uns helfen, die Prokrastination in den Griff zu bekommen und unseren Output zu maximieren.

Da man aber unmöglich alles umsetzen kann, stellt sich die Frage, was denn nun wirklich funktioniert. Wahrscheinlich die Dinge, die man am häufigsten hört und liest, oder? Irrtum. Vielmehr schwirren einige „Regeln“ durch die Welt, die bestimmt für einige funktionieren – aber garantiert nicht für jeden. Wenn du also merkst, dass dir diese Tipps nicht helfen, bist nicht du das Problem!

1. Essen ist Zeitverschwendung

Anstatt sich um das Frühstück zu kümmern, kann man auch 10 Minuten früher im Büro sein und einen guten Eindruck beim neuen Chef machen. Eine Mittagspause mit den Kollegen ist zwar sehr nett – aber was man in dieser Stunde alles schaffen könnte!

Klar, wenn sehr viel zu tun ist, ist es verlockend, sich schnell einen Snack zu holen und ihn am Schreibtisch zu essen. Es geht ja schliesslich nur darum, dass Nahrung im Magen landet, oder? Nicht ganz. Zum einen riskierst du durch das unbewusste Nebenbei-Essen, dass du gar nicht merkst, was du alles isst – das macht unzufrieden und langfristig ungesund und dick.

Ausserdem ist auch die Pause an sich wichtig für deine Produktivität: Bei den wenigsten Tätigkeiten ist es möglich, über Stunden hinweg konzentriert und fokussiert zu bleiben. Möglicherweise ist die Pause also gar kein Zeitverlust, wenn du dank ihr in den zwei darauffolgenden Stunden doppelt so viel schaffst, weil du deinem Kopf Erholung gegönnt hast.

2. Am besten arbeitet es sich von 9 bis 5

Oder von 9 bis 6, je nach Arbeitsvertrag und Ausmass der Mittagspause. Aber du weisst, was gemeint ist. Auch wenn es noch immer viele Jobs mit festen Arbeitszeiten gibt, ist die Tendenz zur mehr oder weniger freien Zeiteinteilung deutlich. Solltest du also zu denjenigen gehören, die sich aussuchen können, ob sie ihre acht Arbeitsstunden um 6 oder um 12 Uhr beginnen, oder die Möglichkeit haben, von zuhause oder unterwegs zu arbeiten: Lass dich nicht von einem 100 Jahre alten Arbeitszeitmodell unter Druck setzen! Warum solltest du dich als Nachtmensch morgens aus dem Bett quälen und die ersten drei Stunden ohnehin nichts zustande bekommen? Und was spricht dagegen, um 6 anzufangen und dafür einen freien Abend zu geniessen? Was zählt, ist deine innere Uhr – hör auf sie, wenn es dein Job erlaubt!

Und was, wenn du täglich um 9 im Büro sitzen musst? Mach das Beste aus der Situation, indem du herausfindest, wann du deine produktiven Zeiten hast und wann du eher wenig schaffst. Plan deine Aufgaben dementsprechend, bearbeite deine Prioritäten in den leistungsfähigen Stunden und leg wenig Anspruchsvolles und Anstrengendes in deine „Problemzonen“ oder mach eine Pause. Und vergiss nicht: Auch ein 9 to 5 Job bedeutet nicht unbedingt, acht Stunden durchzuackern. Einige Ausnahmen mögen das können; für die meisten aber sind Leistungstiefs vollkommen normal.

3. Im Büro schafft man mehr als im Home Office

Sich zuhause zu motivieren, ist schwer: Hier lauern nicht nur die Ablenkungen des Internets, sondern auch noch der Fernseher, die Hausarbeit – und nicht zuletzt die Tatsache, dass hier niemand merkt, wenn man nicht arbeitet.

Diese Einwände gegen das Home Office sind absolut plausibel und viele haben damit tatsächlich ein Problem. Aber: Auch die Ablenkungen eines (Grossraum-)Büros sind nicht zu unterschätzen. Viele brauchen Ruhe, um konzentriert und produktiv arbeiten zu können –und finden diese vielleicht zuhause am Küchentisch. Wenn du zu diesen Menschen gehörst, rede mit deinem Chef darüber. Viele Arbeitgeber haben kein Problem damit, wenn Mitarbeiter einen oder zwei Tage pro Woche von zuhause arbeiten. Und wenn deine Arbeit belegt, dass du im Home Office produktiver bist, kann er oder sie ja kaum etwas dagegen haben, oder?

4. Je mehr Zeitmanagement, desto besser

Es gehört inzwischen zum guten Ton, To-Do-Listen zu pflegen, Zeitfenster für bestimmte Aktivitäten und Aufgaben festzusetzen und seine Multitasking-Skills zu perfektionieren. Besonders bei letzterem macht uns ausgerechnet unser Gehirn einen Strich durch die Rechnung: denn es ist schlichtweg nicht darauf ausgelegt, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren – oder zumindest nicht genug, um sie auch ordentlich zu bearbeiten.

Sicher erfüllen Listen und Pläne einen Sinn – aber mehr ist hier nicht immer besser. Wenn dir dein abends hingekritzeltes Post-It reicht, um am nächsten Tag nichts zu vergessen, gibt es doch keinen Grund, es nicht einfach dabei zu belassen! Denn es ist nur logisch: Je mehr Listen, in immer kleinere Teile aufgestückelte Aufgaben und bestimmten Dingen zugeordnete Zeiträume man sich zurechtlegt, desto mehr schränkt man sich auch selbst ein. Man erschwert sich spontanes Umdisponieren und riskiert so, dass im Endeffekt nur wieder etwas unerledigt bleibt.

Halt dich an die Faustregel: So viel Zeitmanagement wie nötig, aber so wenig wie möglich!

Produktivität ist subjektiv

Wahrscheinlich gibt es also so viele Produktivitäts-Tipps, weil jeder seine ganz persönliche Art und Weise hat, seine Arbeit gut und effizient zu erledigen. Vom Biorhythmus über den Stoffwechsel bis hin zu Charaktermerkmalen und seit der Kindheit antrainierten Verhaltensweisen spielen hier viel zu viele Dinge eine Rolle, als dass es ein Patentrezept geben könnte. Probier dich aus, finde heraus, was für dich gut funktioniert und lass dich bloss nicht unter Druck setzen! Listen und Uhrzeiten sollten nie Selbstzweck sein –sie sind immer nur so gut, wie du mit ihnen zurechtkommst.

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