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Dress for success? „Leider müssen wir Ihnen mitteilen...

Max by
10 Dez 2015 um 15:10

..dass Sie sich für die ausgeschriebene Stelle falsch kleiden.“ Natürlich wird dir das niemals jemand sagen oder schreiben. Und es wird auch kein Recruiter dein super Anschreiben, deinen tollen Lebenslauf und dein souveränes Interview ignorieren, nur weil ihm dein Hemd nicht gefällt. Aber trotzdem ist Kleidung wichtiger, als man denkt.

Ach, das Unileben: Manch ein Bürohengst denkt nostalgisch an die Zeiten zurück, in denen man nach einem blinden Griff in den Kleiderschrank in Hoodie und Chucks absolut angemessen gekleidet war.

Wenn dann irgendwann die Bewerbungsgespräche anstehen, finden sich viele in einer fremden Welt wieder, für die sie Hemden, Blusen, Krawatten und Jacketts kaufen. Das braucht man ja schliesslich, oder? Aber warum eigentlich? Man kann doch nicht auf einmal weniger, nur weil man Jeans trägt?

Wir erwarten von Ihnen Teamfähigkeit, exzellente Englischkenntnisse… und ein Sakko

Natürlich steht der Dresscode in keiner Stellenbeschreibung. Aber jeder von uns erwartet eine gewisse Optik von bestimmten Berufsgruppen: Wenn ein Mensch im Sakko und einer in Streetwear vor dir steht und du entscheiden sollst, wer der Berater und wer der Kreative ist, denkst du wahrscheinlich nicht lange nach. Ob das sinnvolle Konventionen sind, die eine gewisse (Ein)Ordnung ermöglichen, oder es sich um überflüssiges und engstirniges Schubladendenken handelt, darüber lässt sich streiten. Fakt ist: So wie die (Berufs)Welt aktuell aussieht, sind T-Shirt, Jeans und Sneaker je nach Job und Branche leider einfach unpassend.

In einem Start-up kannst du so ziemlich alles anziehen, was du willst; Unternehmensberatungen und Banken sind da schon anders gestrickt. Von einem angehenden Berater wird erwartet, dass er wie ein Berater aussieht. Und ein Banker sieht nun mal aus.. nun ja, wie ein Banker eben. So unfair die Beurteilung aufgrund von Äusserlichkeiten auch ist – sie ist real, und auch Recruiter sind leider nicht davor gefeit.

Fassade vs. Fähigkeiten?

Moment. Leute dürfen nicht wegen ihres Geschlechts, ihres Alters oder ihrer Hautfarbe benachteiligt werden, aber wegen ihrer Klamotten? Streng genommen natürlich nicht. In einer perfekten Welt würde sicher ausschliesslich aufgrund von Fähigkeiten und Erfahrungen entschieden werden. Aber Recruiter sind auch nur Menschen – und Menschen sind weder perfekt noch 100% unvoreingenommen. Sie mögen das Vertraute. Deshalb stellen Menschen gerne Menschen ein, die ihnen ähneln und die (auch optisch) „passen“. Ein Bewerber, der der Stelle und dem Unternehmen auch äusserlich entspricht, wirkt als sichere Wahl, von der keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten sind, während ihnen ein unkonventionell gekleideter Bewerber auf den ersten Blick „fehl am Platz“ erscheint – und erste Eindrücke sind nun mal ziemlich hartnäckig.

Wer einen bestimmten Job haben will und keine Lust auf ein grosses Risiko hat, kommt kaum umher, das Spielchen mitzuspielen.

Vorurteile haben nur die anderen?

Bryan Fry lebt in Australien. Er ist gross, muskelbepackt, tätowiert und hat eine Glatze. Welcher Arbeit geht dieser Mann wohl nach? Türsteher? KFZ-Mechaniker? Tätowierer? Alles falsch. Er ist Biologieprofessor und erforscht Schlangengifte.

Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, merkt man schnell, dass man – so weltoffen und tolerant man auch sein mag – auch nicht vorurteilsfrei durchs Leben geht. Vielleicht sind auch deine Lieblingsklamotten gar nicht so individuell, wie du dachtest: Vergleich deine Kleidung einmal mit der deiner Kommilitonen. Und danach mit der Kleidung von Studenten aus anderen Fachbereichen. Nicht ohne Grund ist es besonders an grossen Unis ein beliebtes Spiel, die Studienrichtung nur anhand der Kleidung zu erraten, denn bereits hier gibt es gewisse Dresscodes: Ethnologen kombinieren gerne europäische Kleidung mit exotischen Elementen und Jus-Studenten legen häufig Wert auf sehr gepflegte, korrekte Kleidung – auch wenn das um die Schultern geknotete teure Sweatshirt von anderen nur allzu gern belächelt wird. Wahrscheinlich hast du dich also schon längst einmal einem Dresscode angepasst, auch wenn es dir gar nicht aufgefallen ist.

Auf dem Weg der Besserung?

Wenig überraschend sind Berichte von Managern, laut denen Bewerber, die genau den optischen Erwartungen entsprachen, sich als unfähig erwiesen – und dass Bewerber, die auf den ersten Blick „unpassend“ aussahen, ihre Jobs gerockt haben. Klar, es ist eben nur Kleidung. Warum soll Inkompetenz keinen Anzug tragen können? Und Exzellenz Turnschuhe?

Auch eher konservative Branchen wie die Finanzindustrie werden allmählich etwas gelassener, was Bärte und Frisuren ihrer Mitarbeiter angeht. Aber bei der Kleidung kennen die meisten Recruiter und Manager dann doch (noch) kein Pardon, auch wenn Aussehen und Eignung ganz offensichtlich nichts miteinander zu tun haben. Erfreuliche Ausnahmen gibt es sicher auch hier. Man darf hoffen, dass andere diesen guten Beispielen folgen.

Sollst du deinen Stil für den Job opfern? 

Angenommen, du kommst so wie du bist in ein Unternehmen, für das eigentlich eine andere Optik passender wäre. Nichtsdestotrotz bekommst du den Job: Weil du überzeugt hast und die Firma selbstbewusste Individuen schätzt. Perfekt! So kannst du ziemlich sicher sein, dass du und dein neuer Arbeitgeber gut zueinander passt.

Leider kann man nicht davon ausgehen, dass es so kommt. In den meisten Fällen wirst du – ob bewusst oder nicht – aufgrund deines Äusseren beurteilt werden. Du musst also abwägen, wie wichtig es dir ist, dich nicht „verkleiden“ zu müssen und wie bereit du bist, das Risiko einzugehen – in der Hoffnung, dass dein Recruiter allein deinen Fähigkeiten und deiner Motivation vertraut und dafür über ein möglicherweise unpassendes Outfit hinweg sieht.

So unfair und unsinnig diese Konvention auch sein mag: Letzten Endes sind es nur Klamotten und du wirst schon nicht ersticken, selbst wenn du im Job Krawatte tragen musst. Und wer weiss: Vor nicht allzu langer Zeit war es auch noch alles andere als üblich, dass Frauen Maschinenbau oder Astrophysik studieren. Vielleicht erleben wir ja noch Zeiten, in denen sich niemand über Unternehmensberater in Paillettenshirts und Grafikdesigner in Massanzügen wundert.

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