Moral hazard
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Moral Hazard: „Ich könnte, aber sollte ich?“

Max by
24 Apr 2016 um 13:18

Bereits in der Kindheit wird uns eingebläut, immer schön die Wahrheit zu sagen. Ein Erwachsener verstösst im Schnitt ungefähr 200 Mal pro Tag (!) gegen diese Regel – kleine Notlügen, Halbwahrheiten oder Handlungen gegen eigene Versprechen oder Überzeugungen eingeschlossen. Ertappt? Obwohl wir in den meisten Fällen genau wissen, was richtiges und moralisches Handeln bedeutet, fällt uns die Umsetzung oft schwer.

Und unsere kleinen Alltagslügen sind im Vergleich nicht mehr als Kavaliersdelikte: Tagtäglich berichten Medien von Steuerhinterziehungen, Geldwäschen und anderen Betrügereien. Das Bild einer unmoralischen Gesellschaft ist in den Köpfen fest verankert. Da wird man ja wohl selbst mal so ein kleines bisschen …

Der Unterschied zwischen Moral und Ethik

Nach moralischen Wertvorstellungen handeln bedeutet, die geltenden Grundsätze innerhalb einer sozialen Gruppe einzuhalten. Daraus ergibt sich ein von der jeweiligen Gesellschaft abhängiger Verhaltenskodex, nach dem sich die Menschen (idealerweise) richten. Die ethischen Wertvorstellungen wiederum sind die individuellen Grundsätze, nach denen der einzelne Mensch lebt und handelt. Diese sind unabhängig von Politik oder Kultur.

Die Moral Hazard Problematik

Ökonomische Fehlanreize ohne Konsequenzen für eine einzelne Person schaffen ein sogenanntes Moral Hazard. Ein Beispiel hierfür sind etwa Personen mit Vollkasko-Versicherung, die risikoreicher fahren, weil sie wissen, dass ein allfälliger Schaden komplett übernommen wird. Beamte, denen nicht gekündigt werden kann, können es sich eher „leisten“, keinen vollen Einsatz zu bringen oder sich unmoralisch zu verhalten als „normale“ Angestellte. Die Finanzkrise war das Ergebnis eines Moral Hazards von Aktienhändlern, die risikoreicher spekulierten, weil im Verlustfall die Bank beziehungsweise der Staat (= der Steuerzahler) haftet.

Der (fehlende) Zusammenhang zwischen Moral und Erfolg

Die Gleichung „Je moralischer, desto erfolgreicher“ geht leider nicht auf – von korrupten Politikern bis zu gierigen Managern gibt es genug Beispiele, die das Gegenteil beweisen. Aber auch im Kleinen gibt es nicht nur strahlend weisse Westen: Einer lässt die Putzfrau schwarz arbeiten, ein anderer schummelt bei der Steuererklärung, und der dritte schmückt sich mit den Lorbeeren des Teamkollegen.

Der Hang zum Betrügen und die Höhe der Hemmschwelle hängen neben den eigenen Werten auch vom individuellen Umfeld ab: In einer Firmenkultur, in der ein nicht immer lupenreiner Umgang mit Kunden und Mitarbeitern gang und gäbe ist, wird auch der ehrlichste Mitarbeiter irgendwann in diesen zweifelhaften Strudel mit hineingezogen – es sei denn, er bleibt seinen Prinzipien treu. Das allerdings erfordert ohne Zweifel einen starken Charakter – und vor allem den Willen und die Bereitschaft, dem Umfeld den Rücken zu kehren.

So bleibst du deiner Moral treu

  1. Bewege dich in verschiedenen Kreisen, pflege Kontakte zu Menschen aus anderen Branchen und Fachbereichen, die dir immer wieder den Spiegel vors Gesicht halten und dein Verhalten ehrlich analysieren.
  2. Steh zu deinen (moralischen) Werten und nimm die Konsequenzen in Kauf, wenn du diese am Arbeitsplatz nicht so ausleben kannst, wie du es gewohnt bist und dir wünschst
  3. Müdigkeit und geringe Aufmerksamkeit vermindern unsere Selbstkontrolle und machen uns anfälliger für unmoralische Versuchungen. Fälle Entscheidungen immer bewusst und abwägend.
  4. Den Spruch „Hand aufs Herz“ wortwörtlich umsetzen: Die Geste erfüllt laut Experimenten ihre Bedeutung für eine ehrliche Einschätzung.

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