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Schritte der Extreme - Über sich hinauswachsen

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06 Sept 2018 um 18:47

In der Schweiz gibt es drei Profi-Alpinisten. Nicolas Hojac ist einer davon – und erst noch der Jüngste. Parallel zu seiner Karriere als Bergsteiger verfolgt Nicolas ein Ingenieur-Studium an der Berner Fachhochschule. Kurzum: Was Nicolas anpackt, packt er richtig an, und zwar richtig extrem.

Nicolas, wie bist du zum Bergsteigen gekommen?

Von den Bergen war ich schon immer fasziniert. Die Begeisterung für das Bergsteigen hat sich dann während eines Sprachaufenthalts im Wallis entwickelt – damit war der Startschuss gefallen und das eine führte zum anderen. So wünschte ich mir zu meinem 14. Geburtstag die Besteigung eines 4’000er-Gipfels, kaufte mir darauf ein Jahresabo für die Kletterhalle und meldete mich schon bald bei einer Jugendsektion des SAC an. Der Funke war gezündet.

War es dein Jugendtraum, Profi-Alpinist zu werden?

Nein, überhaupt nicht. Nach kurzer Zeit bekam ich zwar bereits eine Einladung ins Jugend-Regionalkader, doch damals habe ich auch noch Eishockey als Leistungssport betrieben. Beim Klettern stand für mich nie der Leistungsgedanke im Vordergrund, sondern das gemeinsame Erlebnis mit Freunden in der freien Natur und die Verbesserung meiner Technik.

Und trotzdem wurde aus dem Hobby dein Beruf …

Mit den sportlichen Erfolgen kamen die ersten Sponsoring-Anfragen. Und sobald man Sponsoren hat, hat man auch Verpflichtungen. Ich begann mich daher ganz auf das Bergsteigen zu fokussieren.

Wie bereitest du dich heute auf eine Klettertour vor?

Die Grundvoraussetzungen für das Bergsteigen sind Technik, Kraft, Kondition und eine gute psychische Verfassung. Meine Technik verbessere ich beim Klettertraining in der Halle oder im Freien, die Kraft hole ich mir im Fitness-Center und die Kondition trainiere ich bei zahlreichen Bergläufen. Die wichtigste Voraussetzung überhaupt ist jedoch eine gute psychische Verfassung. Nur so kann ein schwieriger Berg bestiegen werden. Die Psyche ist der Mörtel, der alles Zusammenhält.

Wie trainierst du deine psychische Verfassung?

Ich plane bereits weit im Voraus jede Klettertour oder Expedition im Detail – sowohl den Aufstieg als auch den Abstieg. Ich studiere Google Earth, Fotos, Bücher, Expeditionsberichte, einfach alles was ich kriegen kann. Ich absolviere die ganze Route mehrfach im Kopf und versetze mich in alle möglichen Situationen, so dass ich am entscheidenden Tag auf alle Eventualitäten perfekt vorbereitet bin und gelassen reagieren kann. Oftmals ist die Situation am Berg dann sogar weniger schwierig, als ich es mir im Kopf vorgestellt habe.

Weniger schwierig, aber sicher noch immer gefährlich …

Es sind nicht die schwierigen Stellen, die gefährlich sind. An den schwierigen Stellen konzentriert man sich mehr, zudem sichert man sich auch besser ab. Dies alles macht die schwierige Stelle weniger gefährlich. Es sind die vermeintlich einfachen Stellen, an denen die meisten Unfälle passieren.

Trotzdem, die Gefahr und der Nervenkitzel gehören zum Alpinismus dazu.

Klar, Bergsteigen ist ein Risikosport. Trotz intensivster Vorbereitung hänge auch ich manchmal an einer steilen Felswand und habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Dieser Nervenkitzel macht sicher einen Teil des Reizes aus. Trotzdem, ich würde mich selber nicht als risikofreudig bezeichnen. Ich bin beim Bergsteigen eher defensiv unterwegs. Ich suche nicht die Gefahr – ich suche die Herausforderung!

Wie handelst du, wenn die Herausforderung zu gross wird?

Umkehren war für mich noch nie ein Problem. Wenn die Temperaturen, Schneeverhältnisse, Hangneigung oder auch der Wind nicht stimmen, dann gehe ich zurück. Es kann sogar vorkommen, dass die Rahmenbedingungen gut sind, ich aber ein schlechtes Bauchgefühl habe. Auch dann macht ein Weitergehen keinen Sinn.

Von diesen Erfahrungen profitierst du sicher auch im Studium?

Von den Erfahrungen am Berg profitiere ich nicht nur im Studium, sondern generell im Leben. Ich habe gelernt, dass man nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen sofort akzeptieren und das Maximum unter den gegebenen Voraussetzungen herausholen soll. Alles andere ist reine Energieverschwendung. Zudem habe ich gelernt, Entscheidungen zu treffen und den eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen.

Was sind deine nächsten Projekte?

In China und Pakistan gibt es noch viele wunderschöne Berge, die von keinem Menschen je bestiegen wurden … Mein nächstes grosses Ziel ist aber Patagonien.

Kurz Nachgefragt

Aufstieg oder Abstieg?

Ganz klar Aufstieg. Beim Abstieg ist das Risiko viel grösser. Man ist erschöpft, hungrig, im schlimmsten Fall sogar dehydriert und oftmals ist der Weg nach unten lawinengefährdet. Es ist daher sehr wichtig, dass auch der Abstieg bis ins kleinste Detail geplant ist.

Team oder Einzelkämpfer?

Team. Das Risiko ist viel grösser, wenn man alleine unterwegs ist. Es gibt aber auch Projekte, die ich alleine bestreite, da ich keinen geeigneten Partner finde.

Speedrekord oder Erstbesteigung?

Es ist doch ein sehr spezielles Gefühl, als erster Mensch auf einer Bergspitze anzukommen, als erster Mensch dieses Stück Fels anzufassen. Es geht mir dabei nicht um das Prestige. Mir geht es um das Abenteuer, die Spannung und vor allem die Herausforderung, welche bei Erstbesteigungen immer noch einiges grösser ist.

Erfindung als Ingenieur oder Rekord als Bergsteiger?

Weder noch. Mir geht es darum, dass ich im Alter auf ein Leben voller Erlebnisse zurückschauen kann. Es sind die Abenteuer, die mir viel geben – nicht ein volles Bankkonto oder der Eintrag in Geschichtsbücher.

Schritte der Extreme

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