Smart smarties no text
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19 Jan 2016 um 09:32

What? Ja, du hast richtig gehört und der Recruiter hat sich gerade keinen Scherz mit dir erlaubt. Nimm die Frage ernst, denn sie gehört ebenso zum Vorstellungsgespräch wie die Frage nach deinen Stärken oder deinem Nutzen für die Firma und zielt auf deine analytischen Fähigkeiten ab. Der Recruiter möchte mit diesem Brainteaser herausfinden, ob du eine Fragestellung logisch erfassen und versiert mit ungewohnten Situationen umgehen kannst.

Einordnung der Frage: Worum geht es?

Diese Denksportaufgabe gehört zu den sogenannten Fermi-Fragen. Darunter versteht man eine quantitative Abschätzung für ein Problem, zu dem so gut wie keine Daten verfügbar sind. Der Physiker Enrico Fermi pflege seine Studenten mit derlei Aufgaben zu konfrontieren, um ihnen beizubringen, auf schnellem Weg eine Lösung durch eine begründete Schätzung zu finden. Diese Schätzungen beruhen auf realistischen Annahmen, die dann in Rechenschritte umgesetzt werden müssen.

Für welche Berufe sind diese Fragen relevant?

Diese Fragen sind in den Berufen interessant, in denen es darum geht, trotz eines Mangels an Informationen spontan gute Abschätzungen vorzunehmen.

Tätigkeitsbereiche: u.a. Mathematiker, Berater, Analysten, Wirtschaftswissenschaftler, Investmentbanker, Banker, andere technische Berufe

Industrien: u.a. Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Banken und Finanzinstitute, Maschinen- und Anlagenbau

Rückfragen stellen: Dos und Don’ts

Damit du von Beginn an richtig mit der Situation umgehst und dein Vorgehen planen kannst, solltest du zunächst die Regeln für den Ablauf und den Umgang mit der Brainteaser-Frage abklären. Damit zeigst du dem Recruiter dein Interesse an einer Lösung und erfährst zusätzlich, in welchem Rahmen du dich bei der Antwortfindung bewegen kannst. Dabei solltest du einige allgemeine Dos und Don’ts beachten:

Allgemeine Dos:

  • Stell deine Rückfragen so konkret wie möglich.

  • Schau deinem Gegenüber immer in die Augen. Blickkontakt ist für die Empathie wichtig, die vielleicht dazu führt, dass du den ein oder anderen Hinweis erhältst, den andere nicht bekommen.

  • Schätze Grössenordnungen selbst ein, bevor du beim Recruiter nachfragst, ob du damit richtig liegst.

  • Rechne immer alleine und ohne Unterstützung des Recruiters.

Dos Beispielformulierungen:

  • „Darf ich Stift und Zettel benutzen, um mir Notizen zu machen und meine Überlegungen aufzuschreiben?“

  • „Darf ich Ihnen Rückfragen stellen? Und wenn ja, wie viele Rückfragen sind gestattet?“

  • „Die Form eines Smart ist sehr kompliziert und erfordert mich Sicherheit eine ganz bestimmte Formel. Ich würde für die Berechnung von einem Quader ausgehen und dieses Vorgehen auch für die Smarties anwenden – ist dies für Sie in Ordnung?“

Allgemeine Don’ts:

  • Frag nicht nach Fakten, die du kennen solltest, wie zum Beispiel die Anzahl der Wochen eines Jahres, wie viele Tage ein Jahr hat oder wie viele Meter ein Kilometer hat.

  • Stell nicht zu spitzfindige Fragen.

  • Stell nicht zu viele Fragen. Nicht der Recruiter soll dir eine Antwort geben, sondern du ihm.

  • Verlier dich bei deinen Fragen nicht in Details.

Don’t Beispielformulierungen:

  • „Ich bewerbe mich doch hier nicht in der Automobilbranche. Die Formel für das Volumen eines so komplexen Gebildes wie eines Autos steht mir ja gar nicht zur Verfügung. Dann kann ich leider auch keine weiteren Überlegungen vornehmen und die Antwort schlicht nicht herausfinden.“

  • Die Formel zur Volumenberechnung eines Quaders kenne ich nicht – ich war schon immer schlecht in Mathe. Können Sie mir diese geben?“

Analytisches Vorgehen bei Fermi-Fragen – in 12 Schritten zum Erfolg

  1. Du kannst nicht von Beginn an wissen, wie du vorgehen musst. Sammle also zunächst alle Daten, die du für eine Berechnung brauchen kannst. Fang erst dann an zu rechnen.

  2. Geh analytisch vor, und zwar vom Grossen zum Kleinen.

  3. Visualisiere die Situation, bevor du mit deinen Berechnungen loslegst.

  4. Arbeite mit Stift und Zettel (wenn es erlaubt ist); dies wird dir helfen, den Überblick zu behalten und die Lösung zu finden.

  5. Überleg dir, welche Zahlen du für die Lösung benötigst. Unterscheide hierbei zwischen Fakten, die du kennst, und Annahmen, die du schätzen musst.

  6. Verbalisiere deine Überlegungen. Nur so kann der Recruiter diesen folgen und sie bewerten.

  7. Fass die Situation zusammen, bevor du dein Ergebnis präsentierst.

  8. Begründe dein Ergebnis und stell deinen Lösungsweg dar. Dies ist der Hauptbestandteil der Aufgabe: Der Recruiter wird in erster Linie diesen bewerten, nicht so sehr die Lösung als solche!

  9. Rechne mit runden Zahlen, das vereinfacht deine Rechnungen.

  10. Rechne selbstbewusst auf Basis deiner getroffenen Annahmen ein Ergebnis aus und präsentiere es.

  11. Hast du falsche Überlegungen angestellt, so rechne nicht weiter. Revidiere die hierauf basierenden Ergebnisse und geh anschliessend von neuen Annahmen aus.

  12. Führe Gedanken immer zu Ende, bevor du mit einem neuen startest – nur so bleiben deine Überlegungen nachvollziehbar.

Mögliche Anwendung in der Praxis

In der Praxis wirst du froh sein, schon einmal mit Fermi-Fragen konfrontiert worden zu sein, wenn du zum Beispiel als Strategieberater die Verkaufszahlen des Konkurrenten eines deiner Klienten einschätzen musst, um ein fachliches Urteil fällen zu können.

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Möglicher Lösungsweg mit den von uns getroffenen Annahmen

Bei dieser Frage gibt es zwei offensichtliche Komponenten, die du errechnen solltest: Der Platz, der im Smart zur Verfügung steht und der Platz, den ein Smartie einnimmt. Aber wie kommst du auf diese beiden Zahlen?

Die Formel für die exakte Berechnung des Volumens eines Smart steht nicht zur Verfügung. Errechne also das, was du errechnen kannst und nimm das Volumen eines Quaders. Die Formel dafür solltest du kennen und nicht beim Recruiter nachfragen müssen, sie lautet: V = Länge x Breite x Höhe.

Welche Ausmasse hat nun ein Smart? Auch wenn du noch nie einen gefahren bist, weisst du, dass diese Autos recht klein sind. Die geschätzten Masse könnten bei 2,5 Meter Länge, 1,5 Meter Breite und 1,5 Meter Höhe liegen.

V = 2,5 x 1,5 x 1,5 macht also 5,625 m³.

Kann das gesamte Volumen mit Smarties gefüllt werden? Realistisch betrachtet nicht, denn natürlich hat ein Auto ein Innenleben und du musst mindestens noch den Motor, die Karosserie und die Innenausstattung von deinem errechneten Volumen abziehen. Hier kannst du nur schätzen und kommst zum Beispiel auf 3,0 m³ als freies Volumen eines Smart.

Nun kannst du dich um die Smarties kümmern und errechnen, wie viel Platz ein einzelner Smartie benötigt. Du gehst auch hier von einer vereinfachten Quader-Form aus und nimmst wieder die Formel: V = Länge x Breite x Höhe. Die geschätzten Masse eines Smarties liegen zum Beispiel bei: 1 cm Länge, 1 cm Breite und 0,5 cm Höhe.

V = 1 cm x 1 cm x 0,5 cm = 0,5 cm³. Demnach beansprucht also 1 Smartie einen halben Kubikzentimeter Platz im Smart.

Jetzt musst du nur noch das freie Volumen von 3,0 m³ im Smart und die 0,5 cm³ Platz, die ein einzelner Smartie benötigt, zusammenbringen:

Hierfür musst du wissen, wie viel Kubikcentimeter ein Kubikmeter hat – auch dies solltest du nicht beim Recruiter nachfragen müssen. Wenn du nicht gleich darauf kommst, dann stell folgende Überlegung an: 1 m hat 100 cm 1 m³ = 1m x 1m x 1m, also 100cm x 100cm x 100cm = 1’000’000. Heisst: 1 m³ = 1’000’000 cm³

Der freie Platz im Smart beträgt also: 3,0 m³ oder 3’000’000 cm³.

Teil jetzt das Volumen des Smart durch das Volumen eines Smarties und du erhältst: 3’000’000: 0,5 = 6’000’000 Smarties.

LÖSUNG: 6 Millionen Smarties passen in einen Smart.

(Je nach Annahmen sind selbstverständlich auch andere Lösungen möglich!)

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